Neues vom Elfenbeinturm? Nein! – Ein Abgesang

Weit über ein Jahr ist seit meinem letzten Blogbeitrag vergangen. Damals, lang lang ist’s her, habe ich mal angekündigt, dass ich vermutlich noch einige Beiträge posten werde: ein paar nähere Infos zur Basiliusprüfung und so etwas wie das Inhaltsverzeichnis eines Director’s Cut des Elfenbeinturms.

Seither stehen diese Dinge auf meiner ewigen To-Do-Liste (auf der u.a. bereits seit fast zehn Jahren „Noten sortieren“ steht ;) ) und – man ahnt es bereits – bislang ist nichts passiert.

Und – sorry – es wird auch nichts mehr passieren, das habe ich jetzt entschieden, denn es blockiert mich und hält mich davon ab, überhaupt mal wieder etwas hier zu posten. Außerdem ist die ganze Geschichte um den Elfenbeinturm mittlerweile mental unglaublich weit weg. Und da bin ich überhaupt nicht böse drum.

Relativ lange Zeit wurde ich relativ sauer und angefressen, wenn die Sprache auf die Geschehniss rund um die Texterstellung des Bandes kam, und habe dann nichts geschrieben, weil ich entweder zu aufgebracht war und/oder Dinge in die Tastatur gehackt hätte, bei denen ich später bereut hätte, wenn sie nicht rückholbar in den Weiten des Web gestanden hätten.

Mittlerweile ist mir das Thema eigentlich nur noch gleichgültig und ich habe damit und zumindest momentan auch ziemlich mit der Welt Aventurien abgeschlossen. Ich hätte das selbst nicht gedacht eingedenk des Ausmaßes, das DSA und Aventurein lange Zeit in meiner Freizeitgestaltung hatte. Eine Anekdote mag meine eigene Überraschung verdeutlichen: In unserer wöchentlichen Rollenspiel-Runde kam die Sprache letztens auf Zauberschiffe und ich wollte einen DSA-Vergleich ziehen. Mein Autorenkollege Adrian (ebenfalls DSA-Veteran) und ich waren beide verdutzt, dass wir geraume Zeit brauchten, bis uns der Name Sulman al’Nassori einfiel.

Naja: Sic transit gloria mundi … oder so ähnlich.

Eine letzte Bemerkung zum Elfenbeinturm bzw. seiner Rezeption möchte ich mir allerdings dennoch nicht verkneifen: Es war mal wieder höchst auffällig, wie die „Feedback-(Un-)Kultur“ im Netz oft so läuft und sich die Rückmeldungen so über die unterschiedlichen Spielarten der elektronischen Kommunikation verteilten. Während in einigen Foren ja eher vernichtende Kritik zu dem Band den Tenor bildete, kam es in Rezi-Blogs eher zu gemäßigten Bewertungen. Durchweg positive Stimmen erreichten mich dagegen vor allem per eMail oder Foren-PN.

Ich überlasse da jedem mal seine eigenen Schlussfolgerungen, aber ich finde die allerorten zu beobachtende Entwicklung schon bedenklich, also wenn der Rant und der Shitstorm immer lauter ist als die gemäßigte Stimme und sich dieser Effekt selbst verstärkt, weil die schweigende oder leise Minderheit(?) sich nicht dem Hater-Trommelfeuer stellen will.

 

Ausblick

Was ich in meinem letzten Blogbeitrag angekündigt habe, ist eingetreten: Seit dem Elfenbeinturm habe ich nichts mehr für DSA geschrieben und werde es in absehbarer Zeit auch nicht tun. Es hieß ja mal, dass ich in einem der Orgabände die Magiergilden beschreiben sollte und obwohl Teiltexte auf meiner Festplatte schlummern, ist dieser Zug jetzt bereits lange abgefahren. Ich will nicht gänzlich ausschließen, jemals wieder in Sachen Aventurien in die Tasten zu hauen, aber dafür müssten sich einige Dinge deutlich ändern … und ich ne ganze Menge Metaplot nachholen: fast 2 Jahrgänge Aventurischer Bote liegen ungelesen im Regal.

Allerdings hoffe ich mit diesem Post meine Blog-Blockade (Blogade, muhaha) überwunden zu haben, denn ich will mal wieder bloggen!

In Splittermond habe ich meine neue Autoren-Heimat gefunden und nach Weltband und Grundregeln bin ich an einigen anderen Bänden kräftig am werkeln. Da warten noch eine Menge Designer’s Notes darauf, mal die Öffentlichkeit zu erblicken …

Möglicherweise werden dann auch endlich ein paar eher essayistische Texte über das Rollenspiel an sich fertig, die hier noch als Entwurf rumliegen. Doch ich will nichts versprechen, was ich dann (wieder) nicht halten kann.

Und damit schließt sich der Kreis zum Anfang: Ich möchte mich noch einmal bei allen geduldigen und Kummer gewohnten DSAlern entschuldigungen, die auf irgendwelche Elfenbeinturm-Ergänzungen gewartet haben. Aber mal ehrlich: Wirklich dran geglaubt habt ihr doch auch nicht mehr, oder?

Im Schatten des Elfenbeinturms – der Beipackzettel

So, mein Abenteuer Im Schatten des Elfenbeinturms ist endlich erschienen. Eine gute Gelegenheit auch meinen Blog mal wieder zu aktivieren.

Nachdem ich im Juni und Juli einige sehr stressige Wochen beim Finishing des Bandes hatte, bin ich vor allem froh, dass die Arbeiten beendet sind und die Bücher wohlbehalten bei den DSAlern eintreffen, aber natürlich interessiert man sich auch dafür, wie der Band ankommt. Mittlerweile gibt es im Ulisses-Forum erste Reaktionen und Eindrücke (von Rezensionen möchte ich bei so frühen Stimmen eigentlich nicht sprechen), von denen sich leider viele überwiegend enttäuscht zeigen.

Zwar gibt es gerade in so frühen Phasen meiner Ansicht nach häufig einen Spin, der die Diskussion in eine bestimmte Richtung laufen lässt und wo sich dann im Verlauf auch lautstark viele äußern, die das Produkt überhaupt nicht kennen, aber auch mal mosern wollen, aber viele der im verlinkten Thread vorgebrachten Kritikpunkte sind auch durchaus legitim und sachlich vorgebracht. Manches davon sehe ich natürlich anders, vor allem habe ich aber das Gefühl, das Abenteuer wird an etwas gemessen, das es gar nicht sein will. Diesen Eindruck habe ich vor allem dadurch gewonnen, dass der Elfenbeinturm dort mit Abenteuern wie Bahamuths Ruf, Mit wehenden Bannern oder der Quanionsqueste verglichen wird. Mal abgesehen von einer gänzlich anderen Genese dieser Bände (und überwiegend auch einer ganz anderen dahinterstehenden Manpower), verfolgen die Abenteuer ein ganz anderes Konzept und Abenteuerverständnis.

Eine gute Gelegenheit also, mal etwas ausführlicher darzulegen, was ich mit Im Schatten des Elfenbeinturms eigentlich wollte.

Vorbemerkung

Bevor ich zum eigentlichen Beipackzettel komme, noch eine Vorbemerkung: Ein von mir sehr geschätzter ehemaliger DSA-Redakteur hat mir mal geraten, man solle sich beim Abenteuerschreiben klar für einen Stil und eine Zielgruppe entscheiden, wenn man versuche es allen rechtzumachen, würde es nur für alle Seiten unbefriedigend werden. Diesen Rat habe ich mir sehr zu Herzen genommen. Ich habe ihn mir vor allem in einer Weise zu Herzen genommen: Mir ist damals klargeworden, dass mein Abenteuerstil, also die Art von Abenteuern, die ich gern spiele, leite und entwerfe, nur wenig mit dem Mainstream-Geschmack und den allgemeinen Erwartungen zu tun haben. Ich habe als Konsequenz daraus in der Zeit meiner Arbeit für DSA kaum Abenteuer veröffentlicht, sondern mich in erster Linie auf Spielhilfen und ähnliches beschränkt.

Für den Elfenbeinturm habe ich mit diesem Vorgehen gebrochen und mir den Luxus herausgenommen, genau das Abenteuer zu schreiben, das ich gerne leiten und spielen würde. Ich denke bereits in meinem Exposé (bzw. dem von Elias und mir) war klar erkennbar, wohin die Reise geht und ich bin dem Verlag nach wie vor dankbar, dass ich ein „go“ dafür bekommen habe.

Aber was für ein Abenteuer wollte ich denn jetzt schreiben?

Was will „Im Schatten des Elfenbeinturms“ nicht sein? – Gegenanzeigen

Ich beginne mal damit, was das Abenteuer nicht sein will:

  • Es sollte nie ein offenes Abenteuer sein mit größtmöglicher Handlungsfreiheit für die Helden und offenem Ende, das bei jeder Spielrunde ganz anders aussehen kann
  • Auch eine Sandbox, bei der man den Allaventurischen Konvent der Magie in Kuslik möglichst frei bespielt und einige Episoden auf dem Konvent erlebt, gefolgt von einem großen Basilius-Prüfungs-Baukasten, habe ich nie angestrebt.
  • Auf der anderen Seite wollte ich aber auch keine genaue Anleitung, wie eine Basilius-Prüfung exakt abläuft, da für mich schon ganz von Anfang klar war, dass die Prüfung für jeden Kandidaten etwas persönliches ist, jeweils anders abläuft und ihn sehr individuell fordert. Sie sollte mystisch sein! (Dass sie stets anders abläuft und in einer Minderglobule stattfindet war übrigens bereits seit dem Erscheinen von Hallen arkaner Macht klar, wo mein damaliger Mitautor Elias Moussa den betreffenden Text verfasst hat.)
  • Das Abenteuer sollte auch zu keiner Zeit ein Leichtgewicht für den Meister sein. Die Anforderung „Experte“ für den Spielleiter war früh klar: Es ist viel vorzubereiten, anders kann man meiner Meinung nach ein Abenteuer, das einen Zeitraum von gut einem dreiviertel Jahr abdeckt auch gar nicht gestalten.
  • Es sollte kein klassisches Abenteuer in der Hinsicht sein, dass Kampf, Wildnisleben und andere typische „Abenteurertätigkeiten“ viel Raum einnehmen. Stattdessen sollte die magische Forschung und die Interaktion mit vielen interessanten NSCs im Vordergrund stehen, dazu eine Spur Erkundung, Recherche und auch mal ein Kampf.
  • Es sollte auch nie ein Abenteuer sein, in dem die Helden die einzigen maßgeblichen Personen des Plots sind und sich alles nur um sie dreht. Auch in Fantasywelten sind aus meiner Sicht die Mächtigen (und das sollten die Helden hier sein) in ein Geflecht aus Interessen, Beziehungen, Erwartungen und Notwendigkeiten eingebunden. Mich öden die ständig selben Storys an, wo mal wieder gerade die Protagonisten die Nonkonformisten sind, die aus dem gesellschaftlichen Korsett ausbrechen. Wohlgemerkt schließt das nicht aus, dass die Helden die Personen sind, die durch ihre Handlungen den Tag retten, die gesuchten Spezialisten, die im richtigen Moment den Unterschied machen. Das ist mMn eine Grundkonstante des Rollenspiels, von der ich nicht abweichen will.

Mir ist klar, dass ich mich dadurch ganz bewusst von Sachen abgewandt habe, die nach vorherrschender Lehrmeinung der Foren-Spezialisten ein gutes Abenteuer (TM) ausmachen und ich kann verstehen, wenn dadurch der ein oder andere in seiner Erwartungshaltung enttäuscht wurde.

Was will das Abenteuer sein? – Anwendungsbereiche

Nachdem ich versucht habe klarzumachen, was ich alles mit Im Schatten des Elfenbeinturms nicht umsetzen wollte, möchte ich aber auch mitteilen, was ich stattdessen wollte:

  • Das Abenteuer soll im Prinzip eine Aneinanderreihung von coolen Szenen bieten , die zusammengehalten werden von einem roten Faden und einer vorgegebenen Dramaturgie.
  • Es soll die Möglichkeit bieten bei schicksalsträchtigen Ereignissen dabei zu sein und einen wichtigen Part darin zu übernehmen (nicht den einzigen! So stand bereits schon sehr früh fest, dass auf jeden Fall Praiowine Erzmagierin wird, unabhängig davon, ob ein SC-Magier auch zur Basiliusprüfung antritt). In dieser Hinsicht: In dem Abenteuer sollen viele lose Fäden im Plotraum Magiergilden aufgelöst werden und die Helden sollen bei dieser Lösung dabei sein und ihren Tiel dazu beitragen.
  • In gewisser Weise soll das Abenteuer auch eine große Sightseeing-Tour sein, wo es zu coolen Schauplätzen geht, man interessante NSCs trifft, neue Entdeckungen aus der Geschichte Aventuriens macht.
  • Abgesehen davon soll es für die Spielleiter aber auch Freiräume bieten, wo die Spielrunde frei agieren kann (das Spiel in einem guten halben Jahr(!) in Kuslik, der Konvent, etc.); v.a. eben in einer Weise wie man es aus Stadtabenteuern kennt.
  • Durchaus gewollt war es aber auch, die Freiheit der Helden dadurch einzuschränken, dass sie in Strukturen und Sachzwängen agieren muss. Gerade in der Welt der Gildenmagie halte ich das für höchst passend und realistisch. Wie in der Einleitung von mir beschrieben sind für mich die Mystik und das Wunderbare auf der einen und die Bürokratie und Engstirnigkeit auf der anderen Seite die reizvoll ambivalenten Seiten der Gildenmagie.
  • Wenn man die Struktur des Abenteuers mit etwas Abstand betrachtet, sieht man vielleicht, dass ich mich hier recht stark an Computerspielen (Rollenspielen aber auch anderen Genres) orientiert habe: es gibt einzelne Missionen, die man recht frei angehen kann; es gibt eine Basis, in der man zwischen den Missionen agieren soll und die man pflegen sollte; es gibt freie Open-World-Module, die sehr offen sind; dann kommen wieder gescriptete Cutscenes, manchmal sogar als Resultat, wenn man aus einer Mission zurückkomt; und an manchen Stellen wird die Handlung stringenter auf einen dramaturgischen Höhepunkt zugeführt.

Mir ist natürlich klar, dass ich mit diesen Entscheidung sehenden Auges viele Vorurteile gegenüber „DSA-Abenteuern an sich“ bestätige. Die häufige Polemik, DSA-Abenteuer dieser Art seinen Romane zum nachspielen halte ich jedoch für unzutreffend und verweise noch einmal auf meine Computerspiel-Analogie: Spiele dieser Art sind meiner Wahrnehmung nach hochgradig beliebt und ich halte es daher auch für legitim diesen Spielstil zu bedienen.

Nicht zuletzt ist es mein Spielstil! Es ist in erster Linie eine Geschmacksfrage und ich habe sie für mich recht eindeutig entschieden: Ich mag keine Sandboxen, ich mag keine absolute Handlungsfreiheit, ich mag auch kein rein stringentes Reise-Abenteuer oder Dungeon-Crawls. Ich mag die freie Interaktion mit unzähligen NSCs, das tingeln von A nach B bis ich einen Trigger treffe, der wieder eine nächste Szene freischaltet! Das darf einige Zeit so gehen, dann soll sich es zu einem fulminanten Finale zuspitzen, bei dem die offenen Handlungsfänden zusammenlaufen.

Ich möchte so spielen, ich meistere so und so wollte ich ein Abenteuer schreiben!

Kleiner Exkurs:

Der vorige Abschnitt ist natürlich mal wieder ein gefundenes Fressen für die Besserspieler-Fraktion, die denkt, dass der „DSAler an sich“ ja solche Abenteuer nur deshalb gut findet, weil er nix anderes kennt, und wenn er mal ‚in die große weite Welt der guten Abenteuer‘ hineingeschnuppert hätte, würde er solche Abenteuer nicht mehr mit der Kneifzange anfassen. Ich halte diese Sicht für absolut unangebracht und borniert und sehe sie in ihrer Arroganz und ihrem kulturhegemonialen Sendungsbewusstsein am ehesten eine Analogie zu Geisteshaltungen des Kolonialismus: Man muss den Wilden ja die Segnungen der Zivilisation bringen! Die wissen ja nicht, was gut für sie ist! Die Lebensweise des weißen Mannes ist die überlegene!

Ich kenne PPKs, Player Empowerment, FATE, Indie-Systeme und Konsorten. Macht mir auch manchmal viel Spaß, dennoch mag ich manchmal was anderes! Bekehrung unnötig, danke.

Aber irgendwie musste sich (selbsternannte) Elite ja immer abgrenzen …

Exkurs Ende. Weiter im Text

An welchen Ansprüchen soll das Abenteuer gemessen werden? – Hinweise zur Einnahme

Wie ausführlich dargestellt, hängt es meiner Ansicht nach stark vom persönlichen Geschmack ab, was man von einem Abenteuer erwartet, und ob diese Erwartungen erfüllt oder enttäuscht werden. Allerdings soll damit nicht alle Kritik obsolet gemacht werden, denn es gibt aus meiner Sicht Punkte, bei denen man losgelöst vom subjektiven Geschmack und der Akzeptanz oben genannter Prämissen beurteilen kann, ob sie handwerklich gut gelöst sind.

Hier interessiert es mich natürlich schon, wie das Abenteuer beurteilt wird (während der Rant eines Spielers, der mit meinem Stil nichts anfangen kann, mich tatsächlich nur peripher tangiert – wenngleich es natürlich bedauerlich ist, dass seine Erwartungen enttäuscht wurden). Es gibt einige Punkte, auf die ich besonderen Wert gelegt habe und wo ich auf die Bewertung besonders gespannt bin. Das wären:

  • Die Aufbereitung und Darbietung von Information, auch das Angebot von geeigneten Hilfsmittel, Vorschlägen und Anregungen für die tatsächlich Umsetzung am Spieltisch (meiner Meinung nach, kann man so etwas erst nach der Umsetzung am Spieltisch und nicht nach der Lektüre beurteilen)
  • Die Bereitstellung von interessanten und reizvollen Kulissen und Szenerien für die eigenen Handlungen und die Ausarbeitung und Präsentation interessanter NSC als Interaktions- und Sparringspartner
  • Eine weigehend plausible Motivation und Handlung der beteiligten Personen
  • Natürlich eine korrekte Recherche und konforme Einbindung in den Hintergrund und die betroffenen Ploträume
  • Ebenso eine korrekte und adäquate Einbindung und Nutzung der Regelmechaniken, die nicht nur durch das Ignorieren vorhandener Subsyteme glänzt – auch wenn mein Unwillen da beim DSA-Regelwerk immer mehr wächst, aber DSA5 ist ja in Aussicht …
  • Nicht zuletzt fand ich es gerade in der Frühzeit von DSA klasse, dass sich das System selbst nicht zu ernst genommen hat und der Humor eine wichtige Rolle gespielt hat. Daher habe ich an vielen Stellen versucht mehr oder weniger subtil Anspielungen, Quer-Referenzen, Skurrilitäten und versteckte Easter Eggs einzubauen.

Wie bewerte ich das Ergebnis? – Selbstevaluation

Auch mit ein wenig Abstand kann ich sagen, dass ich meine Ansprüche weitgehend erfüllen konnte und ich mit dem Band recht zufrieden bin, auch wenn ich es beispielsweise bedauere, dass ich einige Versprechugnen, die ich in Foren mal gemacht habe nicht einhalten konnte.

Jetzt kann man natürlich fragen, warum ging da nicht mehr? Warum bist du nicht 100% zufrieden? Was war los, Mann?

Nun generell gibt es auf dem Weg vom Idealbild im Kopf zum fertigen Produkt immer Kompromisse, die in erster Linie der Zeit und den Umständen, aber auch redaktionellen und verlagsseitigen Vorgabengeschuldet sind. Als ich das Ok für mein Exposé bekommen habe, war ich (und mein damaliger Co-Autor Elias ebenfalls) noch Student und mit leidlich Zeit ausgestattet, mittlerweile stehe ich voll im Beruf und musste letztendlich einsehen, dass ich das Projekt allein nicht gestemmt bekomme.

Man muss sich in diesem Kontext klar machen: Im Schatten des Elfenbeinturms hatte eine Gesamtvorlaufzeit von 3,5 Jahren (mit einer ständigen Abwechslung von Arbeits-, Überlastungs- und Verzögerungsphasen), 5 verschiedene Redakteure und letztlich 4 verschiedene Autorenteams.

Eigentlich ist es erstaunlich, dass es auf dem Weg nicht noch zu mehr Schwund und Reibungsverlusten kam. Unterm Strich bin ich also weitgehend zufrieden mit unserer Arbeit.

Fazit und Ausblick

Ich hoffe meine Ausführungen haben dem ein oder anderen etwas geholfen das Abenteuer nicht misszuverstehen und als etwas anderes zu nehmen, als es sein will. Vor allem hoffe ich aber, dass trotz mancher Kritik das Abenteuer vielen Spielrunden am Spieltisch viel Freude bereitet. Und ich denke das kann es, wenn man sich auf seine Besonderheiten einlässt!

Wer das Abenteuer trotz allem richtig schlimm findet, kann sich aber freuen: So bald gibt es kein größeres DSA-Produkt mehr von mir (ein paar Kleinigkeiten blinken noch vage am Horizont, aber die können auch noch verglühen), und auch ein Abenteuer werde ich so schnell nicht mehr schreiben – ich weiß, dass mein Stil kaum mehrheitsfähig ist und möchte das keinem Verlag zumuten.

Den Elfenbeinturm kann ich allerdings noch nicht ganz ruhen lassen: Ich würde gerne noch in den kommenden Wochen einmal detaillierter auf die Basiliusprüfung eingehen und erläutern, was ich mir bei der Lösung gedacht habe, die für viele so defizitär ist. Und vielleicht finde dann sogar noch Zeit für eine kurze Skizze wie ein Director’s Cut des Abenteuers im Idealfall ausgesehen hätte.

Das Methumis-Problem

Lange habe ich hier nichts mehr geschrieben, was vor allem der wirklich sehr, sehr knappen Freizeit während meines Referendariats geschuldet war. Nun mit neuer Stelle wird es wohl nicht mehr Zeit werden, aber zumindest etwas planbarer.

Wenn es dennoch zunächst nur selten neue Updates gibt, ist dies vor allem der Tatsache geschuldet, dass ich wann immer es auch geht an meinen DSA-Texten arbeite, um endlich einige sehnlichst erwartete Publikationen fertigzustellen – wogegen die werte Leserschaft ja vermutlich sicher nichts haben kann.

Dieser Beitrag ist daher auch nur ein „Abfallprodukt“ der normalen Abstimmungsarbeit im DSA-Autorenteam: Ich habe einem Autoren-Kollegen im Zuge der Arbeiten an der Kriegerakademien-Spielhilfe bei den Recherchen zur Akademie/Rondraschule Methumis geholfen, da ich mich für die Beschreibung der Akademie des Magischen Wissens bereits einmal durch den kompletten Publikationswust hindurchgefressen hatte. In launiger Stimmung ist dabei ein kleiner Rundgang durch die verworrene Publikationsgeschichte zur Universität Methumis entstanden, den ich euch nicht vorenthalten will.

Er soll exemplarisch verdeutlichen, wie kompliziert und widersprüchlich die Quellenlage auch zu relativ unbedeutenden Themen im DSA-Kosmos sein kann und soll – dass soll hier nicht verschwiegen werden – auch das Verständnis für die Probleme beim Schreiben für DSA fördern:

Die wechselhafte Geschichte der Rondra- und der Herzogenschule

Ein kurzer DSA-irdisch-historischer Exkurs zur Publikationsgeschichte der Universität Methumis mit dem Schwerpunkt auf Herzogen- und Rondraschule:

Im Boten 46 (die erste ausführliche Methumisbeschreibung nach der äußerst knappen in „Das Königreich am Yaquir“) ist die Herzogenschule (alter Plan: 14) der Ort, an dem die Studenten der Uni ihr Trivium) machen. Danach belegen sie an bis zu vier der Schulen weitere Fächer, ihr Quadrivium (in einer sehr lose gefassten Anlehnung an den irdischen Begriff muss Arithmetik, Geometrie, Musiklehre oder Astronomie unter den vier sein). Die Horasschule (aP: 16) hingegen ist die Schule für Staatskunst, etc –> Die Kaderschmiede.

Die Herzogenburgs-Academia und die Rondraschule sind im selben Gebäude (aP: 17), wobei letztere eine Fährichs-Schule, erstere die eigentliche Kriegerakademie ist.

 

Verlassen wir die frühen Neunziger und springen zu „Das Reich des Horas“, dem blauen Heft aus „Fürsten, Händler, Intriganten„: Gebäude 14 ist nun das Hauptgebäude der Universität, dient jedoch noch dem gleichen Zweck, hier wird das Trivium vermittelt (wobei dieser Name sowie die Studienstruktur Trivium-Quadrivium hier nicht erwähnt wird). Nr. 17: weiterhin Kriegerakademie (mit (neuem!) Namen: Herzogliche Kriegerakademie) und Offiziersschule (=Rondraschule) im selben Gebäude. Nr 16 ist nun ein Horaspalast(!) mit neuen Aufgaben: Quartier für den Orden vom Heiligen Blut und den vom Goldenen Adler, nebenbei Schule für Staatskunst, allerdings wohl eher Kronbeamte. Wir schweigen mal darüber, dass der Gebäudekomplex mit der bisherigen Praiostempel/-schule (Jura, Nr. 15) zur neuen Residenz des Herzogs wurde, jedoch weiterhin die juristische Fakultät beheimatet.

 

Verwundert nehmen wir zur Kenntnis, das im Abenteuer Artistenschuh und Rote Bälle, der Horaspalast wieder der Horasschule gewichen ist, aber weiterhin unbeirrt Staatskunst lehrt. Unterdessen ignorieren wir die übrigen Diskrepanzen, die hinsichtlich des Stadtplans zwischen den genannten Publikationen und dem Abenteuer Unter dem Adlerbanner bestehen.

 

Kurzer Zwischenstopp bei Stäbe, Ringe, Dschinnenlampen. Warum bei einem Artefaktregelwerk? Hier (aber wohlgemerkt nur in der ersten Auflage!) findet sich die erste DSA 4.0 Beschreibung des Alchimisten aus Methumis, die nun das Studium in Methumis mit Trivium und Quadrivium quasi unverändert vom Boten 46 in die aktuelle Version transferiert. Diesen Text finden wir in der aktuellen Regelversion…oh Mist… gar nicht mehr. Er ist somit gewissermaßen apokryph.

 

Sprung in die Jetztzeit also zur aktuellen Regionalspielhilfe Reich des Horas: Es hat sich einiges geändert, unter anderem haben wir eine neue Karte mit anderen Nummer. Aber der Reihe nach: bei Nr. 2 (ehemals Nr. 16) steht nach wie vor und unverrückbar die Horasschule, aber – oh Wunder – sie hat eine neue Aufgabe: Hier belegen die Studenten das Trivium (der Text legt keine Neuzuweisung der Aufgaben nahe, also ein klassischer Retcon). Wir lassen uns nur flüchtig von Gebäude 3 (ehemals 15) ablenken, das wie ganz früher, die Praiosschule beherbergt: Psst, es gab nie eine Neue Residenz

Weiter im Text: die alte Nr. 14 ist die neue 33, heißt wieder wie ganz früher Herzogenschule und ist jetzt – der Tausch wurde konsequent durchgeführt – die neue Kaderschmiede, in der angehende Fürsten und andere gekrönte Prinzlein Staatskunst, aber auch Etikette, Strategie, Leibesertüchtigung und Fechten lernen. Wir finden hier auch eine andere Info aus dem Boten-Artikel wieder: Hier lernen die Promis; in beiden Texte ist hier die Kemi-Königin Ela zur Schule gegangen.

Aber nun zum interessanten Gebäude: Nr. 29 (die ehemalige 17) beherbergt wie eh und jeh die Rondraschule. Diese ist allerdings keine Offiziersschule mehr (Fähnriche sind ja jetzt out), sondern eine waschechte Kriegerakademie (der hochtrabende Name: Fakultät für Kriegs- und Wehrkunst bleibt allerdings). Die im selben Gebäude befindliche Kriegerakademie mit dem Namen Herzogenburgs-Academia wird totgeschwiegen, ihr Attribut der Händel mit den Rondraschülern allerdings auf die Herzogenschule (wir erinnern uns: die Kaderschmiede) übertragen.

 

Puh, jetzt erstmal durchatmen.

Ich habe euch jetzt mal mit auf den wilden Ritt durch die irdische Geschichte von Methumis genommen, wie ich sie recherchiert habe als ich die Magierakademie beschrieben habe. Ich denke ihr kennt jetzt den Fluch derer, die über Methumis schreiben: Selbst mit gutem Willen, man kann es nur noch komplizierter machen.

Hier nochmal das für dich Wichtigste zusammengefasst:

Das Hauptproblem:

aus 4 (Bote, FHI) mach 3 (RdH) mit Bäumchen-Wechsel-dich

Als Übersicht:

Bote 46:

Herzogenschule (=Trivium-Schule, Nr. 14)

Horasschule (=Kaderschmiede, Nr. 16)

Rondra-Schule (=Offiziersschule, Nr. 17)

Herzogenburgs-Academia (=Kriegerakademie, ebenfalls Nr. 17)

Konkurrenz zwischen letzteren

FHI/Artistenschuh:

Uni-Haupgtgebäude (=Trivium-Schule, Nr. 14)

Horaspalast/-schule (=Kaderschmiede, Nr. 16)

Rondra-Schule (=Offiziersschule, Nr. 17)

Herzogliche Kriegerakademie (=Kriegerakademie, ebenfalls Nr. 17)

Reich des Horas:

Horasschule (=Triviumschule, Nr 2, ehemals 16)

Herzogenschule (=Kaderschmiede, Nr. 33, ehemlas 14)

Rondra-Schule (=Kriegerakademie, Nr. 29, ehemals 17)

Offiziersschule fehlt!

Kurz, wir haben folgendes Problem: Frank Bartels (er hat zwar den Text nicht geschrieben, aber die entsprechenden Änderungen veranlasst) hat die Herzogenschule mit der alten Kriegerakademie verschmolzen, aus der Offiziersschule eine neue Kriegerakademie gemacht, die nun das Gebäude für sich hat, und den Zwist der beiden Kämpferschulen zu einem Konflikt zwischen Adelszöglingen und Kriegerkadetten gemacht.

Schlussbemerkungen

Die Lösungen, die wir für die Problematik gefunden haben, könnt ihr dann demnächst im Kriegerakademien-Band lesen.

Und noch etwas sei hier angedeutet: Die Ergebnisse unserer mühsamen Recherchen zur Uni Methumis sind viel zu schade, um sie nur in den Akademie-Bänden Niederschlag finden zu lassen …

Was tun mit DSA-Büchern? – Oder: Herangehensweisen ans „Gesamterlebnis DSA“

Lange ist es her seit meinem letzten Blog-Beitrag und es waren (und sind) viele mehr oder weniger unangenehme Pflichten und Aufgaben, die mich davon abhalten regelmäßiger zu schreiben.

Dennoch habe ich mich entschieden, endlich mal ein paar Gedanken ins Reine zu schreiben und zu veröffentlichen, die bereits seit geraumer Zeit in groben Notizen auf meiner Festplatte herumlungern.

Aufhänger dazu war die Podiumsdiskussion auf der diesjährigen Ratcon mit dem Titel „Abenteuer oder Alltagsleben? Was ist wichtig bei Das Schwarze Auge?“, die sich unter anderem mit dem Detailgrad des aventurischen Hintergrunds beschäftigte. Ich habe mich in der Diskussion an einigen Stellen beteiligt, hatte mir aber vorgenommen, dies noch einmal detaillierter niederzuschreiben.

Die steile These

Wie gesagt, ging es in der Diskussion um den Detailgrad des Hintergrunds: Müssen die Farben von Magierroben im Detail beschrieben sein? Muss der Name eines Dorfes zwischen Gareth und Wehrheim offiziell festgelegt sein? Wie exakt muss aventurische Alchimie festgelegt sein, wenn ich mit (irdischen) Chemikern spiele?

Neben den durchaus richtigen Bemerkungen darüber, dass solche Details bei den richtigen Spielern und in manchen Situationen tatsächlich das Spiel bereichern können, kam vor allem die Frage auf, wie sich dieser Detailreichtum des Settings auf die Einsteigerfreundlichkeit von DSA auswirkt. Muss man das alles lesen und wissen, um DSA zu spielen?

Recht schnell bestand ein weitgehender Konsens darüber, dass dies natürlich nicht notwendig ist, dass man sich den Hintergrund nach und nach erarbeitet und stets entscheiden kann, wie tief man darin einsteigt.

Das Lesen von mehreren hunderttausend Seiten DSA ist also nicht notwendig, um DSA zu spielen.

Dies bewog mich dazu eine weitergehende These in den Raum zu stellen:

Wer den Detailreichtum von DSA und die dichte Beschreibung Aventuriens schätzt, tut dies nicht aufgrund der Relevanz am Spieltisch; die Beschreibungsdichte ist dort meist nicht mal nützlich, nein manchmal sogar hinderlich.

Warum also wird diese dicht beschriebene Hintergrundwelt von vielen so geschätzt?

Ich gehe davon aus, dass viele einfach gerne lesend Aventurien besuchen.

Der DSAler – Mehr Leser als Spieler!?

Gehen wir also davon aus, dass viele DSAler den Detailgrad ihrer Spielwelt durch den Kauf immer neuer Spielhilfen – der Begriff muss daher vielleicht auf den Prüfstand, was später im Text geschieht – vor allem daher stetig weiter steigern, um sich beim Lesen dieser Bücher zu amüsieren und nicht, um das Rollenspiel ihrer Spielrunde zu bereichern. Dann muss man sich fragen: Warum tut man das? Zweckentfremdet man die DSA-Publikationen damit?

Meiner Ansicht nach ist dieser Umgang mit den Quellen- und Abenteuerbänden nicht verwerflich, sondern Teil des Gesamterlebnisses DSA: Viele DSAler haben Spaß daran, die Spielwelt und ihre Entwicklung in allen Publikationen, ja in Zeiten von Hörbüchern, PC-Spielen und Browsergames: in allen Medien zu folgen.

Das Eintauchen in die Welt Aventurien – oder Dere für diejenigen, die ihren Blick auch nach Myranor, Tharun, Uthuria oder das Riesland lenken – ist eben nicht nur auf das Erleben am Spieltisch beschränkt, man kann diese Welt auch lesend erfahren; und ist nicht das Eintauchen in fremde Welten eben auch das, was viele an Fantasy-Romanen reizt? Der oft recht stereotype Plot ja wohl eher nicht?

Das Lesen von DSA-Publikationen ist also eine Beschäftigung mit dem Hobby, das man auch außerhalb der Spielerunden ausüben kann. Eine Möglichkeit also, um sich etwa auch zwischen den Spielsitzungen weiter mit DSA zu beschäftigen. Angesichts der veränderten Struktur der DSA-Szene, die ich mal kurz und vereinfachend auf die Formel „Weniger Zeit – mehr Geld“ bringen will, wird diese Möglichkeit immer wichtiger, da sie auch Fans, die nur noch äußerst selten Zeit fürs Rollenspiel haben, die weitere Teilhabe am „Gesamterlebnis DSA“ ermöglichen.

Das Lesen von Hintergrundbänden, Abenteuern, dem Aventurischen Boten und anderen Publikationen wird somit zu einer Art „Ersatzhandlung“ für das tatsächliche Spielen mit der Gruppe, das nur noch selten stattfindet – eine andere Art von Ersatz ist beispielsweise das Briefspiel, dessen Konzept manchen evtl. durch den neuesten Sphärengeflüster-Podcast nähergebracht wurde, zu dem aber auch von mir in einem eigenen Blog-Beitrag vielleicht noch einmal ein paar Worte verloren werden.

Sicherlich steht beim Lesen dann häufig die Vorstellung von Spielszenen im Vordergrund, in der Hoffnung, irgendwann doch einmal dazu zu kommen, die gelesenen Anregungen ins Spiel einzubringen. Im Kopfkino läuft dann eine imaginäre Rollenspiel-Session und man denkt: „Oh ja, da wäre diese Szene für meinen Helden total cool!“ oder „Ja, in diesem Setting würde ich gerne mal einen solchen Helden spielen.“

Teilweise wird das Verfolgen der innerweltlichen Umwälzungen, die immer genauere Beschäftigung mit der Welt und ihren Eigenheiten, ja der Anspruch sich ein mehr oder weniger enzyklopädisches Wissen über Aventurien anzueignen und sich mit Gleichgesinnten über Foren oder andere – meist virtuelle – Szene-Treffs darüber auszutauschen, beinahe genauso wichtig wie das Rollenspiel selbst. Denn so lebt DSA bzw. Aventurien (oder eben Dere – wobei meiner Ansicht nach dieser Typus bei den Myranor-Spielern weniger verbreitet ist, zu Tharun und Uthuria kann man da noch nichts sagen) auch zwischen den Spieleabenden weiter. Und für viele von uns, die aus den unterschiedlichsten Gründen gar keine Spielrunde mehr haben, ist das eben die einzige verbliebene Möglichkeit, um in die liebgewonnene Spielwelt einzutauchen.

In dieser Hinsicht ist das Lesen eben eine alternative und – das sei an dieser Stelle deutlich herausgestellt – auch durchaus legitime Partizipationsform am Gesamterlebnis DSA!

Hier drängt sich ein Vergleich mit anderen „Nerd-Subkulturen“, z.B. mit der Comic-Szene geradezu auf: Die intensive Auseinandersetzung mit den Marvel- oder DC-Universen…Verzeihung: -Multiversen…, die von den begeisterten Fans über Foren, Mailinglisten, Kompendien und Wikis betrieben wird und nicht selten in hitzige Diskussionen über die Deutungshoheit des kanonischen Materials ausartet – und somit der DSA-Szene offensichtlich eng verwandt ist – dient sicher nicht als Hilfe für die ungestörte und genussvolle Lektüre der Comics selbst. Diese intensive Beschäftigung trägt das Hobby weit über das ursprüngliche Medium hinaus – und an dieser Stelle sei festgehalten, dass das Primär-Medium des Rollenspiels eben der Spieltisch und nicht das Quellenbuch ist!

Das diese Art der Beschäftigung mit einem Hobby sich besonders häufig bei sorgfältig ausgestalteten fiktiven Welten manifestiert und somit unmittelbar mit dem erwähnten Detailgrad, der einmal der Ausgangspunkt meines Gedankengangs war, zusammenhängt, könnte Gegenstand für einen eigenen Artikel sein.

Ich möchte jedoch an einer Stelle wieder einhaken.

Das Tabu

Die These, dass so mancher DSA-Spieler eher detailversessener Leser und Quellenbuch-Exeget als tatsächlicher Rollenspieler sei, ist ja nun nicht neu. Eben dies wird DSA gerade aus der Ecke alternativer Rollenspielsysteme und von Seiten mancher Rollenspieltheoretiker häufig zum Vorwurf gemacht: Die reinen DSA-Leser seien das große Problem des Systems und der Grund dafür, dass viele Publikationen im Spiel nicht verwendbar seien.

Infolgedessen neigt der DSAler an sich gern dazu, dieses – mal so von mir angenommene – Faktum kleinzureden, zu relativieren oder beiseite zu wischen.

Meiner Meinung nach ist dieser Umgang mit der Thematik falsch: Es sollte kein Tabu sein festzustellen, dass viele altgediente DSA-Spieler nun keine Zeit mehr für Rollenspiel haben, sich ihrem liebgewonnenen Hobby aber so verbunden fühlen, dass sie es auf andere Weise weiter verfolgen wollen. Es spricht doch eigentlich gerade für Aventurien und DSA, das es gelungen ist, viele Menschen auch über den ursprünglichen Grund hinaus an diese Welt zu binden.

Dass diese Gruppe mittlerweile einen stabilen Block der Stamm-Käuferschaft von DSA-Produkten bildet, ist ebenso ein Teil der Realität und es bringt niemandem etwas, dies zu verleugnen. Dass dieser Faktor bei der Produktgestaltung eine Rolle spielen kann und – meiner Meinung nach – auch sollte, ergibt sich daraus unmittelbar.

Dies ist legitim und schadet dem Produkt DSA, wenn er in geeigneter Weise berücksichtigt wird, in keinster Weise!

Ein paar Konsequenzen werde ich weiter unten ansprechen, an dieser Stelle möchte ich nur den Blick dahingehend schärfen, dass man aus den genannten Gründen, nicht jede Seite jeder

Publikation auf die Spielrelevanz hin untersuchen muss. Wenn tatsächlich nur noch SPIEL-Hilfen geschrieben würden, würde nicht nur viel weniger DSA produziert und verkauft, uns würden meiner Meinung nach auch viele spannende, kreative und interessante Beschreibungstexte entgehen, die für mich eklatant zu meiner Faszination für DSA beitragen und auf die ich nicht verzichten wollen würde.

Kurz: Nicht jeder Text muss sich das Feigenblatt der Spielrelevanz vorhalten! Mut zu schönen Beschreibungen, die mir die Welt Aventurien noch näher bringen und vertrauter machen.

 

Keine klare Trennung!

Wenn nun an dieser Stelle der Eindruck erstanden sein sollte, dass der überwiegende Teil der DSAler nur noch reiner DSA-Leser ist, so will ich das hier geraderücken: Es mag zwar sein, dass es den Nur-Leser – und genauso vielleicht auch den Nur-Spieler, der keine einzige Publikation selbst besitzt – gibt, in den meisten Fällen aber wird es eher eine Gemengelage sein: Die meisten von uns werden in einer gewissen Regelmäßigkeit – auch wenn es nur 1-2 mal pro Jahr ist – DSA spielen und in der Zwischenzeit mehr oder weniger häufig auch in den Publikationen schmökern, sei es um seinen Helden weiter auszugestalten, Abenteuer vorzubereiten, oder eben ‚nur‘ der Entwicklung Aventuriens zu folgen.

Ich selbst bin ab und zu – leider viel zu selten – DSA-Spieler, manchmal DSA-Meister, sehr häufig DSA-Leser und mittlerweile beinahe ebenso intensiv DSA-Schreiber. All dies zusammen macht für mich die Identität als DSAler aus und in jedem dieser Teilaspekte habe ich z.B. auch andere Ansprüche an Detailreichtum, Stimmigkeit und Hintergrundkenntnis.

Als Spieler ist mir die Detailkenntnis beispielsweise nicht so wichtig. Ich hatte schon großartige Spielrunden bei Meistern, die wenig mehr als die Basis-Werke gelesen hatten und Aventurien als eher generisches Fantasy-Setting dargestellt haben. Genausoviel Spaß kann eine Runde mit DSA-Experten machen, bei der man sich die Namen der lokalen NSCs munter an den Kopf pfeffern kann und ein ortskundiger Charakter tatsächlich weiß, wo in Kuslik der geheime Phex-Tempel ist. Ebenso gut aber ist es möglich, dass solch eine Runde absolut ätzend ist, wenn sie mehr in Diskussionen über die offiziellen Preise von Wirselkraut auf dem Basar von Rashdul oder die Auslegung des Codex Albyricus nördlich von Tiefhusen ausartet und man darob kaum mehr zum Spielen kommt.

Als DSA-Leser und Hintergrund-Exeget aber schätze ich natürlich eine genaue Hintergrundkenntnis aller einschlägiger Texte und verlasse eine Diskussion auch mal, wenn offensichtlich ist, dass man eben nicht auf dem selben Kenntnisstand der kanonischen Quellen ist.

Was ich damit sagen will: Der DSA-Leser und der der DSA-Spieler sind keine dezidiert voneinander geschiedenen Zielgruppen, sondern eher unterschiedliche Rollen jedes DSAlers und jeder DSAlerin, die natürlich jeweils in einem anderen prozentualen „Mischungsvehältnis“ vorhanden sind.

Und obwohl beide Rollen in den meisten von uns zusammenfallen, haben sie unterschiedliche Erwartungshaltungen und stellen somit andere Anforderungen beim Schreiben und Konzipieren von Publikationen.

Konsequenzen

Es wäre nun eine naheliegende Lösung zu sagen: Nun gut, dann bringen wir eben Bücher für den reinen DSA-Spieler und Bücher für den reinen DSA-Leser heraus. Dies würde aber aus meiner Sicht keinen wirklich zufriedenstellen; Gründe dafür liegen unter anderem in der Doppelrolle der meisten DSAler, aber eben auch im obengenannten Kopfkino-Aspekt: Selbst der Nur-Leser möchte sich ja vorstellen, dass er diese Setting oder jenes Abenteuer spielt.

Daher sollten die Publikationen beide Herangehensweisen unterstützen, aber je nach Publikation vielleicht in unterschiedlicher Gewichtung:

Dass ein Abenteuer eher die aktive Spieler-Fraktion anspricht, ist evident, daher sollte hier die Spielverwendbarkeit natürlich absolut im Vordergrund stehen. Da viele Abenteuer jedoch auch Pflichtlektüre für den Aventurologen sind, der die gesamte aventrische Weltgeschichte lückenlos verfolgen will, halte ich auch Stimmungstexte, wie Ingame-Zitate oder Intro-Fictions – um mal einen Ausflug in den Shadowrun-Sprachgebrauch zu unternehmen – für keine No-Gos in Abenteuern.

Spielhilfen hingegen sind trotz ihres Namens, der daher vielleicht auf seine Validität abgeklopft werden müsste, besonders dann, wenn sie eher spezielle Themen behandeln, für viele schwerpunktmäßige Spieler von geringerer Relevanz. Sie können aber dem DSA-Leser eine sehr tiefgehende Auseinandersetzung mit seiner Hintergrundwelt ermöglichen.

Hierzu jedoch ist es wichtig, dass der Hintergrund dynamisch bleibt, damit Neuerscheinungen für die Nur-Leser oder Eher-Leser attraktiv sind. Reine Zusammenfassungen von Bekanntem oder stark regellastige Spielhilfen sind hier weniger interessant, da gerade der archetypische DSA-Leser auf der einen Seite die meisten älteren Beschreibungstexte bereits besitzt und sich auf der anderen Seite häufig mit den Regeln eher schwertut und nicht selten bei DSA 3 stehengeblieben ist.

Dies heißt nun nicht, dass ständig ganz Aventurien umgestaltet werden muss, um interessant zu bleiben. Auch die reine Beschreibung der Welt kann Neues beleuchten, wenn wenig beachtete Hintergrundelemente auf einmal Details bekommen oder aber bestehende Personen, Orte oder Mächtegruppen aufgrund einer inneraventurisch stimmigen Entwicklung einen neuen Charakter oder eine neue Agenda bekommen.

Wie man sicher merkt, sind wir hier unzweifelhaft beim Thema Metaplot und dem Umgang damit angekommen. Allerdings möchte ich dies an dieser Stelle nicht weiter vertiefen. Es wäre – ihr kennt den Satz – wohl Stoff für einen eigenen Blog-Beitrag.

Was bleibt zu sagen?

Natürlich habe ich in diesem Beitrag mit der ganz groben Kelle der Vereinfachung und Verallgemeinerung gearbeitet. Sicher gibt es auch ganz andere Typen von DSA-affinen Menschen, die hier keine Berücksichtigung fanden, sicher kann man aus meinen Beobachtungen ganz andere Schlüsse ziehen. Vielleicht möchte mir ja auch jemand bei meinen Beobachtungen eklatant widersprechen und teilt sie ganz und gar nicht.

Ich denke aber, dass mein Eindruck vom DSA-Leser nicht ganz unrepräsentativ für die DSA-Szene ist. Und gerade in der Online-Community gibt es sicherlich keine ganz unbedeutende Anzahl von Hintergrund-Fetischisten, für die die Auseinandersetzung mit DSA nur zu einem kleineren Teil tatsächlich am Spieltisch stattfindet.

Zudem ist diese Art der Beschäftigung mit dem DSA-Setting eine Besonderheit, die es aus meiner Sicht von einem Großteil anderer Rollenspielsysteme unterscheidet und es Außenstehenden, selbst wenn sie Rollenspieler sind, schwer macht, den DSAler zu verstehen.

Ich möchte mich bei denen bedanken, die bis hier durchgehalten und diese einschüchternde Wall-Of-Text bewältigt haben. Ich werde mich bemühen demnächst kürzer, aber vielleicht etwas häufiger zu schreiben. Einige mögliche Themen habe ich ja in diesem Beitrag bereits angesprochen.

Ansonsten verbleibe ich mit den besten Grüßen

Euer

Zeilenschmied

Weinfest

Blanc de Noir ist ein guter Wein …

Die Fanrichtlinien-FAQ – Eine Rezension (?)

Ich hatte es ja schon angekündigt, dass ich noch einmal auf die Fanrichtlinien-FAQ von Ulisses eingehen wollte und jetzt muss ich das endlich auch mal machen, denn 1.) geht morgen die Schule wieder los und ich weiß nicht, wie es dann um meine Zeit zum Bloggen bestellt ist und 2.) ist die Veröffentlichung der FAQ ja schon länger nicht mehr Thema des Tages in der DSA-Szene und ich habe Angst, dass ich sonst das Zeitfenster bis zum nächsten hohe Wellen schlagenden DSA-GAU verpasse.

Ich möchte das FAQ auch gar nicht detailliert besprechen, das ist an anderen Stellen schon getan worden und außerdem besteht zu den meisten Punkten wenig Redebedarf. Allerdings gibt es ein paar Aspekte, die ich ganz spannend finde und die soweit ich es bislang gesehen habe, nicht bis wenig thematisiert wurden.

 

Trennung von Produkt und Verlag:

Im zweiten Absatz des Textes erklärt Markus Plötz, warum Ulisses zwischen dem ersten langen Blog-Beitrag über den Verlag und der Veröffentlichung der ersten Fanrichtlinien-Version 24h hat verstreichen lassen: die Vermischung bzw. Gleichsetzung von Ulisses als der gesamte Verlag und DSA als Produkt (wenn auch sicherlich das Flaggschiff) sollte vermieden werden. Egal ob man diese Begründung glaubt oder eher zu den vielfach zu hörenden Hypothesen neigt, die vermuten, dass die Fanrichtlinien einfach noch nicht rechtzeitig fertig waren, ist dies ein aus meiner Sicht sehr interessanter Punkt.

Bevor ich diese Erklärung im FAQ gelesen habe war mir z.B. überhaupt nicht bewusst gewesen, dass die beiden Ulisses-Blog-Beiträge unterschiedliche Logos getragen haben und in den Formulierungen recht deutlich differenziert wird zwischen Gesamt-Ulisses und der DSA-Sparte. Ich denke, dass diese Unterscheidung vielen DSA-Fans zwar rational klar ist, aber aus dem Bauchgefühl Ulisses eben „der DSA-Verlag“ ist und alle anderen Produktserien mehr oder weniger ausgeklammert werden. Insofern ist es vielleicht tatsächlich gut, wenn man sich mal wieder klar macht, dass Ulisses nicht einfach mit DSA gleichzusetzen ist.

Von Verlagsseite aus kann ich allerdings noch nicht die klare Linie erkennen, da man sich auf der einen Seite ja beim Erwerb der kompletten DSA-Rechte schon ein wenig mit dem „Wir sind DSA“-Nimbus umgeben hat, sich jetzt allerdings wieder bewusst gegen eine Gleichsetzung stellt. Die Stoßrichtung hier ist mir noch nicht ganz klar.

 

Dreierlei Fankram

Sinnvoll und für das Verständnis der Richtlinien wichtig war die Differenzierung in die drei Kategorien Fanware (pdfs, Dokumente, etc.), Fanseiten (Vinsalt, Dsa4, diverse Blogs, etc.) und Rezensionen. Man bemerke an dieser Stelle auch die Quellenangabe, die darauf hinweist, dass diese Unterscheidung auf dem Vorschlag von User Kreggen beruht.

Allerdings finde ich die Differenzierung noch nicht wirklich trennscharf, da ich die Grenze zwischen Fanseite und Rezension z.B. schwierig finde, da ja Rezensionen in DSA-Kreisen häufig eben auf Fanseiten zu finden sind. Erschwerend hinzu kommt die seeeehr weite Fassung des Begriffs Rezension. Die Ulisses-FAQ schreibt hier:

Dies sind öffentliche Meinungsäußerungen zu Das Schwarze Auge-Produkten.

Und später unter Punkt 7 steht dann auch noch zu Rezensionen „oder auf eine Neuerscheinung hinweisen“. Dies impliziert also das jede Ankündigung und generell jede Meinungsäußerung zu einem Produkt eine Rezension im Sinne der Fanrichtlinien ist, was aus meiner Sicht den Begriff Rezension zumindest….anderes verwendet als der landläufige Sprachgebrauch und die meisten Wörterbuch-Definitionen.

Was mir auf jeden Fall fehlt, sind Aussagen zur Forenlandschaft. In welche Kategorie fallen den User-Posts in einem Forum und wer wird im schlimmsten Fall dafür belangt? Auch wenn sich das vermutlich aus der üblichen Rechtslage ableiten lässt, ist es eine Frage, die sicher vielen Fans und vor allem Foren-Betreibern unter den Nägeln brennt. Daher wäre es wohl nicht der falsche Platz gewesen, das hier nochmal kurz zu erkären.

 

Angebote an die Fan-Szene

Einige Stellen der FAQ zeigen recht deutlich, dass diese Erklärung ein Teil der neuen „Charme-Offensive“ von Ulisses ist, indem man versucht positiv auf die Fans zuzugehen und ihnen Angebote macht, durch die der offene Dialog mit dem Verlag attraktiver werden soll. In diesem Kontext finde ich vor allem die häufig genannte Offerte auffällig, gerne überprüfte und als geeignet empfundene Seiten auf der Ulisses-Homepage zu verlinken.

Genau wie bei dem Angebot das Das Schwarze Auge-Logo auf Anfrage zu erlauben und somit quasi als Gütesiegel für ausgesuchte Fanware zu verteilen, habe ich an folgendes Zitat von Mario Truant gedacht (stammt aus dem Blog-Beitrag, in dem der Erwerb der Markenrechte öffentlich gemacht wurde):

„Ich freue mich schon darauf, medienübergreifende Konzepte zu erproben und meinen Teil dazu beizutragen, dass überall, wo Das Schwarze Auge drauf steht, auch das echte, unverfälschte Das Schwarze Auge drin ist.“

Offenbar zielt dieser Anspruch nicht nur auf Computerspiele, Filme, etc., was wohl viele ursprünglich dachten, sondern hat auch seine Auswirkungen auf die Fanware-Szene.

 

Semiprofessionell = Semioffiziell?

Sehr spannend finde ich jedoch die fast beiläufige Erwähnung von semiprofessionellen Publikationen. Diesen Status können offenbar in Zukunft manche Projekte erwerben, es ist mir jedoch noch gar nicht klar, was man genau darunter versteht. Meine erste Idee waren kostenlose digitale Publikationen, die von Fans erstellt worden sind, aber von Ulisses legitimiert und somit kanonisch sind. Dies wäre dann sozusagen eine weitere Stufe in der möglichen Anerkennung durch den Verlag: nach dem Logo-Gütesiegel der Kanon-Ritterschlag.

Tatsächlich fände ich so etwas gar nicht schlecht und sehe hier den Platz für solch großartige Projekte wie „Der Allaventurische Konvent“ in Simias Werkbank oder „Die Vinsalter Bibliothek“ bei den Selemer Tagbüchern. Die Frage ist natürlich, ob die dafür notwendige radaktionelle Überprüfung mit dem momentanen Personal zeitlich leistbar ist. Und eine Überprüfung wäre natürlich notwendig, um im ohnehin schon nicht ganz unverzwickten DSA-Kanon nicht noch zusätzliche Widersprüchte zu erzeugen.

 

Fazit

Nach dieser oberflächlichen Betrachtung (die jedoch ganz offensichtlich eine Rezension ist ;) ), ziehe ich mal ein kurzes Fazit. Die FAQ haben viele Fragen geklärt, andere noch offen gelassen und sogar einige ganz neue aufgeworfen. Sollte die Ulisses-Feedback-Abteilung am Ball bleiben und auch die offenen Fragen zeitnah beantworten, ist das tatsächlich ein positives Ergebnis, da es endlich einmal für Klarheit in bisherigen Grauzonen sorgt.

Das von mir so genannte „Fanrichtlinien-Buschfeuer“ (was die ehrliche Empörung der Fans übrigens in keiner Weise abwerten soll) hat aber vor allem einen deutlichen Effekt gebracht: der Tonfall dieses Blog-Beitrags war doch deutlich anders als der bei den ersten Fanrichtlinien – und zwar deutlich freundlicher und offener. Schade, dass es dafür erst so einen empörten (und manchmal unverhältnismäßigen) Aufschrei braucht, gut dass sich dann aber dennoch etwas tut.

 

So verbleibe ich mal mit den üblichen nächtlichen Grüßen

Euer Zeilenschmied

 

The Last 5 Days oder „Das Fanrichtlinien-Buschfeuer“

Leider habe ich momentan Ferien.

Warum leider? Weil ich in den letzten fünf Tagen viel zu viel Zeit damit verbracht habe, diverse Foren- und Blogbeiträge zu verfolgen, die sich in mehr oder weniger aufgeregter oder turbulenter Weise mit den Äußerungen von Ulisses-Geschäftsführer Markus Plötz im hauseigenen Blog auseinandergesetzt haben. Die ungeheuer schnell gefüllten Threads zu diesem Thema, die zügig auf fast alle DSA-affinen Foren und Blogs übergriffen und der meist recht hitzige Ton der Beiträge hat mich dazu verleitet, dieses Ereignis als das Fanrichtlinien-Buschfeuer zu verbuchen.

Wie bereits hier im Blog dargestellt bin ich bei dieser Art schneller und aufgebrachter Äußerungen ja immer etwas zwiegespalten. Ich selbst habe in den vergangenen Tagen wenig bis nichts zu den diskutierten Themen geschrieben und angesichts mancher Posts wäre etwas mehr Zurückhaltung für einige User im Sinne der medialen Selbstdarstellung vielleicht auch ratsam gewesen. So frei nach dem Motto „Si tacuisses philosophos mansisses“ …

Andererseits haben ja auch einige durchaus kritische Beiträge konstuktiv auf die Klarstellungen in der am Montag erschienen FAQ hingewirkt.

Insofern muss man eben  – und das ist gewissermaßen bereits ein vorweggenommenes Fazit – festhalten, dass wie so oft der Ton eben die Musik macht. Offenbar von allen Seiten aus.

Einen sehr interessanten Blog-Post, der eine Art Resumé der Diskussion darstellt vor allem jedoch einige bedenkenswerte Aspekte zum Thema Kritik ansich anspricht, hat der Eismann dazu geschrieben. Mittlerweile gibts sogar einen Nachschlag, wie ich gerade entdeckt habe. Eine bemerkenswerte Analyse, die nach der Veröffentlichung der FAQ (mit der das Fanrichtlinien-Buschfeuers meiner Meinung nach erstmal ausgetreten wurde) User Heldi im dsa4-Forum gepostet hat, setzt sich dagegen mit mutmaßlichen Gründen für die Eskalation des Fanrichtlinien-Buschfeuers auseinander.

Aus meiner Sicht waren es vor allem die fünf Tage der Missverständnisse, die nicht zuletzt aus gegenseitigem Misstrauen erwachsen sind. Nicht zufällig beginnen beide Worte mit dem Präfix „Miss-„, das laut Duden ausdrückt, „dass etwas falsch, nicht richtig oder nicht gut ist bzw. getan wird.“ (Man verzeihe mir den kleinen Exkurs – er geschah zu Ehren von Konrad Duden, der gestern seinen 100. Todestag hatte.)

Vielfach wurden (vermutlich unzulässig) verschiedensten Personen schlechte Absichten unterstellt. Aus meiner Sicht ist es jedoch der gegenseitigen Kommunikation zuträglich, wenn man seinem Gegenüber zunächst mal positive, konstruktive Grundabsichten zuerkennt und mit einer solchen positiven Grundhaltung versucht, die Gründe für zuerst unverständlich oder gar böswillig erscheinende Äußerungen nachzuvollziehen.

Unzweifelhaft wird einem eine solche Herangehensweise durch eine freundliche Formulierung vereinfacht wohingegen ein forscher, anmaßender, polemischer oder beleidigender Tonfall die positive Grundhaltung im Keim zu ersticken droht. Allerdings sollte man in diesem Zusammenhang bedenken, dass die Stilfrage natürlich höchst subjektiv ist und zwei Internetuser denselben Habitus grundlegend anders empfinden können. Zudem ist es nicht jedem gegeben bzw. erscheint es nicht jedem angemessen, sich im Netz in einem jovialen, „wir-sind-doch-alle-eine-große-Nerd-Familie“-Tonfall zu äußern. Sei es weil man deutlich zwischen Internet-Bekannten und Reallife-Freunden differenzieren möchte, weil man das Netz als Medium sachlich, informativer Kommunikation nutzt und versteht oder weil man diesen Umgangston seiner Position nicht angemessen empfindet (etwa aufgrund eines Geschäftsverhältnisses Anbieter-Kunde).

Soweit erstmal meine bescheidenen Gedanken, während ich den letzten aufsteigenden Rauchwölkchen des Fanrichtlinien-Buschfeuers nachschaue. Die neu(st)en Fan-Richtlinien und die FAQ werde ich nochmal gesondert kommentieren, da ich Form und Inhalt bei meinen hier angestellten Betrachtungen einmal zu trennen versuche.

Bis dahin verbleibe ich mit rollenspielerischen Grüßen

Euer Zeilenschmied

P.S. Der Titel dieses Beitrags ist eine Hommage an „The Last 5 Years“ von Jason Robert Brown, das meiner Meinung nach großartigste Musical unserer Zeit. Daher möge man mir den Anglizismus verzeihen.

[Edit: Paar kleine typos korrigiert. Danke an Miro]

Drei Tage Brei

Brei

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass ich gerade eine Weisheitszahn-OP hinter mir habe. Mittlerweile ist alles schon fast wieder gut und am Dienstag werden auch die Fäden gezogen, aber direkt nach der OP hatte ich recht strenge, was ich essen darf:

  • Keine feste Kost (um den Kiefer zu entlasten)
  • Nichts Heißes (um die Blutung nicht wieder anzuregen)
  • Keine Milchprodukte (wegen Infektionen durch Milchbakterien oder so?)

Nachdem mir klar geworden war, das nicht die Schnitt- sondern die Vereinigungmenge der drei Bedingungen gemeint war (der DSA-Spieler fühlt sich hier an das 16. von Rastullahs Gesetzen erinnert: nichts was lange Ohren hat, nichts was Schuppenhaut trägt und nichts was im Wasser lebt) sind recht viele Gerichte weggefallen, die ich mir vorher überlegt hatte, um die Tage zu überbrücken (z.B. alle Formen von Yoghurt mit …, mit denen ich mich in Zahnspangenzeiten durchgeschlagen hatte). Letztliche blieben zunächst nur Brei und Suppe – und zwar beides kalt!

Nach einigen Suppen habe ich dann ein Gericht entwickelt, dass schmackhaft genug war, um damit drei Tage überleben zu können. Weitere entscheidende Vorteile: geht schnell, Herd wird nicht benötigt, außer der Schale wird kein Geschirr (also Töpfe o.ä.) dreckig. Aus diesen Gründen will ich nicht zögern das Rezept mit meinen Lesern zu teilen:

Exotische Brei-Kaltschale

Zutaten:

  • 1/2 Beutel Kartoffelpüree-Pulver
  • 150 ml Apfelmus
  • 2 EL Olivenöl
  • 50 ml Süße Thai-Chilisauce
  • Sojasauce
  • Knoblauch (granuliert)
  • Thai Curry (Pulver)
  • Garam Masala
  • Curry Malabar

Zubereitung:

Kartoffelpüree-Pulver in eine Schale oder einen tiefen Teller geben, mit gut einem halben Liter kochenden Wasser (z.B. aus dem Wasserkocher) übergießen und einrühren. Achtung: es wird etwas mehr Wasser genommen, als eigentlich beim jeweiligen Kartoffelpüree, da die Milch fehlt. Kurz quellen lassen, dann mit Olivenöl glatt rühren.

Als nächtes Thai-Chilisauce und Apfelmus unterheben und mit Sojasauce glattrühren, dann mit den Gewürzen nach Belieben würzen (nicht zu wenig Curry nehmen!). Ganz wichtig: Abkühlen lassen! Fertig.

 

Als ich dann noch meine Liebe für Instant-Götterspeise verfeinert mit Kirsch-Sirup entdeckt hatte, waren die Tage für mich kulinarisch gerettet.

Nachdem ich heute schon wieder Milchprodukte gegessen habe und mich morgen an feste Nahrung traue, geht wieder alles der Normalität entgegen, aber dei Brei-Kaltschale werde ich bestimmt trotzdem bald mal wieder machen.

 

Vielleicht gibts demnächst mal wieder ein Rezept. Gestern habe ich z.B. Cranberry-Relish eingekocht.

Also dann: Guten Appetit!

Euer Zeilenschmied

Inbox Zero!

Zum ersten Mal seit Monaten hab ich es geschafft, alle Mails abzuarbeiten, die als ungelesen bzw. zu bearbeiten markiert waren.

Meine Güte ist das ein befreiendes Gefühl!

Jetzt feier ich erstmal mein INBOX ZERO!

Der längste Post …

Heute ist im Ulisses-Blog der bislang längste Beitrag gepostet worden: eine ausführliche Stellungnahme zu den Veränderungen bei DSA in letzter Zeit und den Planungen für die nähere Zukunft. Wie bereits von Arkanil übersichtlich zusammengefasst, geht es vor allem um vier große Punkte, von denen der Umgang mit Fan-Material im Internet bis jetzt (seit dem Post sind weniger als 6h vergangen) für den meisten Tumult in den Foren gesorgt hat. Allerdings wartet vor allem die gesamte Foren- und Blog-Community des Schwarzen Auges in dieser Hinsicht auf das Dokument mit den neuen Fan-Richtlinien, das in den nächsten 24h … moment jetzt nur noch ca 18h, erscheinen soll.

Nichts Genaues weiß man also nicht, aber dennoch kochen die Gemüter bereits hoch in den Foren und den Kommentarbereichen der Blogs. Ein besonders schönes Beispiel ist hier etwa das Streitgespräch zwischen Anonymous und Anonymous bei Gotongi, dessen Betreiber sich diesmal in großer und ungewohnter Zurückhaltung üben – oder sind sie gar Anonymous … oder Anonymous?

Viele Forenuser bangen bereits um die Leuchtturm-Projekte der Fan-Szene: das Wiki-Aventurica und das Dere-Globus-Projekt. Während ich letzteres so gut wie nie nutze, wäre das Wiki natürlich ein herber Verlust für mich, da es die erste und wichtigste Anlaufstelle für Recherchen ist und somit großen Anteil an der Hintergrundkonformität meiner Texte hat. Ehrlich gesagt kann ich mir kaum vorstellen, wie wir Autoren ohne das Wiki die Faktenflut von DSA (die ich ja durchaus schätze) irgendwie in den Griff bekommen sollen.

Allerdings kann ich mir auch nicht vorstellen, dass die neuen Fan-Richtlinien das Wiki (und andere große Fan-Projekte) gänzlich unmöglich machen. Ich könnte mir eher vorstellen, dass eben ein verbindlicher Rahmen für den Einsatz von DSA-Artwork und die Zitation von offiziellen Texten geschaffen wird. Wenn dabei das „offizielle“ DSA-Layout für Fanware verboten wird, finde ich das überhaupt nicht tragisch. Vielleicht bekommen die Layouter aus dem Fandom sogar mehr Ideen, wie man seine inoffizielle Spielhilfe schick designen kann. Einfache Kopien des DSA-Tradedress (gab es dieses Wort eigentlich schon vor der aktuellen Diskussion?) fand ich schon immer langweilig, zumal ich die offiziellen Seitenleisten mit den Elementsymbolen zwar ganz zweckmäßig und nett finde, aber weit davon entfernt der Weisheit letzter Schluss zu sein.

Das angekündigte Fan-Paket finde ich ganz nett. Sowas kennt man ja auch von Firmen im PC-Spiele-Bereich, die auch ihren Webseiten Logos und ähnliches für Fanseiten anbieten. Naja, mal sehen, was so drin ist. (Ich hoffe auch ein nettes Schwarzes Auge-Icon, sonst muss ich meinen Blavatar schon wieder ändern, jetzt wo er gerade funktioniert. :-)

Wie dem auch sei, bei all dieser Aufregung bin ich ja immer hin und hergerissen: Einerseits denke ich, man muss erstmal abwarten, was tatsächlich kommt und welche Auswirkungen es haben wird, denn nichts wird ja bekanntlich so heiß gegessen, wie es gekocht wird (nach einer Weisheitszahn-OP schon gar nicht … hmm, vielleicht sollte ich auch mal zu meiner momentan erzwungenen Diät bloggen). Andererseits ist natürlich auch das Argument nicht von der Hand zu weisen, dass es zu spät ist, wenn die Scheiße erstmal den Ventilator getroffen hat. Die schnellen lauten Äußerungen in den Foren, die augenscheinlich vor allem dem Zweck dient seiner momentanen eigenen Empörung und (meistens auch) Verwirrung Luft zu machen, erscheinen mir jedoch meist etwas … schal und von wenig Substanz.

Aber wenn es denjenigen hilft mit der Sache fertig zu werden …

 

Wie gesagt, es war der bislang längste Post im Ulisses-Blog und da schien es mir nur recht und billig mit dem bislang längsten Post in meinem Blog zu antworten (was zugegebenermaßen deutlich einfacher war).

 

Bei aller Spannung über Fan-Richtlinien und DSA-„Quo Vadis“ wünsche ich dennoch allen ein schönes Wochenende, vor allem allen Besuchern der FeenCon. Ich bin dieses Jahr wegen meiner dicken Backe nicht da, daher schreibt alle schön mit und berichtet.

Und jetzt:

Gute Nacht!

Euer Zeilenschmied

Fragen des Designs

Hmm, jetzt bastle ich ja heute schon länger an dem Blog rum, bin aber mit dem Design immer noch hin- und hergerissen.

Eigentlich gefällt mir das jetzige ganz gut, allerdings passt es irgendwie gar nicht zu DSA, was ja vermutlich doch den Schwerpunkt meiner Postings hier bilden wird …

Auch noch offen ist die Frage, wie ich mit Spoilern umgehe. Die beliebten MI-Tags aus den DSA-Foren gibts ja hier nicht.

Außerdem hab ich immer noch nicht raus, warum noch das WordPress-Standard-Favicon gezeigt wird und nicht mein schöner Blavatar. [Update: mittlerweile funktioniert es.]

Nunja, beim bloggen steckt offenbar – wie so oft – der Teufel im Detail.

Aktuelle DSA-Arbeiten

Damit hier auch mal ein wenig Content reinkommt, habe ich mir gedacht, ich gebe einfach mal einen Überblick, was bei mir gerade so DSA-mäßig auf dem Schreibtisch liegt:

  • Im Schatten des Elfenbeinturms: mein erster großer Abenteuerband, den ich allein schreibe, ist natürlich in der Prioritätenliste ganz oben. Näheres dazu schreibe ich mal die Tage in einem eigenen Post.
  • Stätten okkulter Geheimnisse: beim dritten MASH-Band (=MagierAkademienSpielHilfe) mache ich zusammen mit Alex Spohr die Bandredaktion. Da wird jetzt nach einem produktiven Konzeptionstreffen von uns beiden die Arbeit auch verstärkt dran losgehen.
  • Orgaband II: Auch für den Nachfolgeband von Verschworene Gemeinschaften habe ich ein paar Texte übernommen. Die liegen allerdings jetzt gerade nicht ganz oben.
  • Sonstiges: Dazu kommen dann noch ein paar Kleinigkeiten wie regelmäßige Boten-Artikel (speziell den Salamander) oder ein paar Anekdoten für das Aventurische Kochbuch, die ich noch finalisieren muss.

Alles in allem also ein straffes Programm. Vor allem angesichts dessen, dass in nicht mal zwei Wochen die Schule wieder losgeht und Stundenvorbereitungen, Unterrichtsbesuche, Lehrproben und Fachseminare mein Zeit-Budget für DSA merklich verkleinern werden.

Nichtsdestotrotz freue ich mich in den Texten viele Ideen, die mir gerade im Kopf herumschwirren, umsetzen zu können.

 

[Update: Logo durch (bearbeitetes) Element aus dem Fan-Paket ausgetauscht ;-) ]

Ein neuer DSA-Autoren-Blog

Schon länger habe ich mich mit dem Gedanken getragen, auch mal einen eigenen Blog zu beginnen. Und obwohl ich zunächst abgewiegelt habe, als Arkanil kürzlich zu weiteren Autoren-Blogs aufgerufen hat, hat der Gedanke in mir wieder verstärkt gearbeitet. Auch das Vorbild vom Eismann hat dabei sein Übriges getan.

Letztlich hat es aber den Ausschlag gegeben, dass ich heute eine Weisheitszahn-OP hatte und daher für andere Arbeit etwas außer Gefecht gesetzt bin. So hatte ich Zeit, mich mit Blogger, WordPress und einschlägigen Anleitungen im Netz auseinanderzusetzen und habe mir dann endlich einen Ruck gegeben und meinen Blog aufgesetzt.

Die letzte große Hürde war dann jedoch einen passenden Namen für den Blog auszusuchen. Inspiration fand ich schließlich bei meinem aktuellen DSA-Projekt „Im Schatten des Elfenbeinturms“, wo ich gerade in den letzten Tagen verstärkt zu Drakhard, dem Geisterschmied, recherchiert hatte.

Angelehnt an meinen häufig verwendeten Foren-Namen Drakon die Gorfar bloggt hier also in Zukunft für euch

Drakon, der Zeilenschmied