Archiv für den Monat August 2011

Die Fanrichtlinien-FAQ – Eine Rezension (?)

Ich hatte es ja schon angekündigt, dass ich noch einmal auf die Fanrichtlinien-FAQ von Ulisses eingehen wollte und jetzt muss ich das endlich auch mal machen, denn 1.) geht morgen die Schule wieder los und ich weiß nicht, wie es dann um meine Zeit zum Bloggen bestellt ist und 2.) ist die Veröffentlichung der FAQ ja schon länger nicht mehr Thema des Tages in der DSA-Szene und ich habe Angst, dass ich sonst das Zeitfenster bis zum nächsten hohe Wellen schlagenden DSA-GAU verpasse.

Ich möchte das FAQ auch gar nicht detailliert besprechen, das ist an anderen Stellen schon getan worden und außerdem besteht zu den meisten Punkten wenig Redebedarf. Allerdings gibt es ein paar Aspekte, die ich ganz spannend finde und die soweit ich es bislang gesehen habe, nicht bis wenig thematisiert wurden.

 

Trennung von Produkt und Verlag:

Im zweiten Absatz des Textes erklärt Markus Plötz, warum Ulisses zwischen dem ersten langen Blog-Beitrag über den Verlag und der Veröffentlichung der ersten Fanrichtlinien-Version 24h hat verstreichen lassen: die Vermischung bzw. Gleichsetzung von Ulisses als der gesamte Verlag und DSA als Produkt (wenn auch sicherlich das Flaggschiff) sollte vermieden werden. Egal ob man diese Begründung glaubt oder eher zu den vielfach zu hörenden Hypothesen neigt, die vermuten, dass die Fanrichtlinien einfach noch nicht rechtzeitig fertig waren, ist dies ein aus meiner Sicht sehr interessanter Punkt.

Bevor ich diese Erklärung im FAQ gelesen habe war mir z.B. überhaupt nicht bewusst gewesen, dass die beiden Ulisses-Blog-Beiträge unterschiedliche Logos getragen haben und in den Formulierungen recht deutlich differenziert wird zwischen Gesamt-Ulisses und der DSA-Sparte. Ich denke, dass diese Unterscheidung vielen DSA-Fans zwar rational klar ist, aber aus dem Bauchgefühl Ulisses eben „der DSA-Verlag“ ist und alle anderen Produktserien mehr oder weniger ausgeklammert werden. Insofern ist es vielleicht tatsächlich gut, wenn man sich mal wieder klar macht, dass Ulisses nicht einfach mit DSA gleichzusetzen ist.

Von Verlagsseite aus kann ich allerdings noch nicht die klare Linie erkennen, da man sich auf der einen Seite ja beim Erwerb der kompletten DSA-Rechte schon ein wenig mit dem „Wir sind DSA“-Nimbus umgeben hat, sich jetzt allerdings wieder bewusst gegen eine Gleichsetzung stellt. Die Stoßrichtung hier ist mir noch nicht ganz klar.

 

Dreierlei Fankram

Sinnvoll und für das Verständnis der Richtlinien wichtig war die Differenzierung in die drei Kategorien Fanware (pdfs, Dokumente, etc.), Fanseiten (Vinsalt, Dsa4, diverse Blogs, etc.) und Rezensionen. Man bemerke an dieser Stelle auch die Quellenangabe, die darauf hinweist, dass diese Unterscheidung auf dem Vorschlag von User Kreggen beruht.

Allerdings finde ich die Differenzierung noch nicht wirklich trennscharf, da ich die Grenze zwischen Fanseite und Rezension z.B. schwierig finde, da ja Rezensionen in DSA-Kreisen häufig eben auf Fanseiten zu finden sind. Erschwerend hinzu kommt die seeeehr weite Fassung des Begriffs Rezension. Die Ulisses-FAQ schreibt hier:

Dies sind öffentliche Meinungsäußerungen zu Das Schwarze Auge-Produkten.

Und später unter Punkt 7 steht dann auch noch zu Rezensionen „oder auf eine Neuerscheinung hinweisen“. Dies impliziert also das jede Ankündigung und generell jede Meinungsäußerung zu einem Produkt eine Rezension im Sinne der Fanrichtlinien ist, was aus meiner Sicht den Begriff Rezension zumindest….anderes verwendet als der landläufige Sprachgebrauch und die meisten Wörterbuch-Definitionen.

Was mir auf jeden Fall fehlt, sind Aussagen zur Forenlandschaft. In welche Kategorie fallen den User-Posts in einem Forum und wer wird im schlimmsten Fall dafür belangt? Auch wenn sich das vermutlich aus der üblichen Rechtslage ableiten lässt, ist es eine Frage, die sicher vielen Fans und vor allem Foren-Betreibern unter den Nägeln brennt. Daher wäre es wohl nicht der falsche Platz gewesen, das hier nochmal kurz zu erkären.

 

Angebote an die Fan-Szene

Einige Stellen der FAQ zeigen recht deutlich, dass diese Erklärung ein Teil der neuen „Charme-Offensive“ von Ulisses ist, indem man versucht positiv auf die Fans zuzugehen und ihnen Angebote macht, durch die der offene Dialog mit dem Verlag attraktiver werden soll. In diesem Kontext finde ich vor allem die häufig genannte Offerte auffällig, gerne überprüfte und als geeignet empfundene Seiten auf der Ulisses-Homepage zu verlinken.

Genau wie bei dem Angebot das Das Schwarze Auge-Logo auf Anfrage zu erlauben und somit quasi als Gütesiegel für ausgesuchte Fanware zu verteilen, habe ich an folgendes Zitat von Mario Truant gedacht (stammt aus dem Blog-Beitrag, in dem der Erwerb der Markenrechte öffentlich gemacht wurde):

„Ich freue mich schon darauf, medienübergreifende Konzepte zu erproben und meinen Teil dazu beizutragen, dass überall, wo Das Schwarze Auge drauf steht, auch das echte, unverfälschte Das Schwarze Auge drin ist.“

Offenbar zielt dieser Anspruch nicht nur auf Computerspiele, Filme, etc., was wohl viele ursprünglich dachten, sondern hat auch seine Auswirkungen auf die Fanware-Szene.

 

Semiprofessionell = Semioffiziell?

Sehr spannend finde ich jedoch die fast beiläufige Erwähnung von semiprofessionellen Publikationen. Diesen Status können offenbar in Zukunft manche Projekte erwerben, es ist mir jedoch noch gar nicht klar, was man genau darunter versteht. Meine erste Idee waren kostenlose digitale Publikationen, die von Fans erstellt worden sind, aber von Ulisses legitimiert und somit kanonisch sind. Dies wäre dann sozusagen eine weitere Stufe in der möglichen Anerkennung durch den Verlag: nach dem Logo-Gütesiegel der Kanon-Ritterschlag.

Tatsächlich fände ich so etwas gar nicht schlecht und sehe hier den Platz für solch großartige Projekte wie „Der Allaventurische Konvent“ in Simias Werkbank oder „Die Vinsalter Bibliothek“ bei den Selemer Tagbüchern. Die Frage ist natürlich, ob die dafür notwendige radaktionelle Überprüfung mit dem momentanen Personal zeitlich leistbar ist. Und eine Überprüfung wäre natürlich notwendig, um im ohnehin schon nicht ganz unverzwickten DSA-Kanon nicht noch zusätzliche Widersprüchte zu erzeugen.

 

Fazit

Nach dieser oberflächlichen Betrachtung (die jedoch ganz offensichtlich eine Rezension ist ;) ), ziehe ich mal ein kurzes Fazit. Die FAQ haben viele Fragen geklärt, andere noch offen gelassen und sogar einige ganz neue aufgeworfen. Sollte die Ulisses-Feedback-Abteilung am Ball bleiben und auch die offenen Fragen zeitnah beantworten, ist das tatsächlich ein positives Ergebnis, da es endlich einmal für Klarheit in bisherigen Grauzonen sorgt.

Das von mir so genannte „Fanrichtlinien-Buschfeuer“ (was die ehrliche Empörung der Fans übrigens in keiner Weise abwerten soll) hat aber vor allem einen deutlichen Effekt gebracht: der Tonfall dieses Blog-Beitrags war doch deutlich anders als der bei den ersten Fanrichtlinien – und zwar deutlich freundlicher und offener. Schade, dass es dafür erst so einen empörten (und manchmal unverhältnismäßigen) Aufschrei braucht, gut dass sich dann aber dennoch etwas tut.

 

So verbleibe ich mal mit den üblichen nächtlichen Grüßen

Euer Zeilenschmied

 

Advertisements

The Last 5 Days oder „Das Fanrichtlinien-Buschfeuer“

Leider habe ich momentan Ferien.

Warum leider? Weil ich in den letzten fünf Tagen viel zu viel Zeit damit verbracht habe, diverse Foren- und Blogbeiträge zu verfolgen, die sich in mehr oder weniger aufgeregter oder turbulenter Weise mit den Äußerungen von Ulisses-Geschäftsführer Markus Plötz im hauseigenen Blog auseinandergesetzt haben. Die ungeheuer schnell gefüllten Threads zu diesem Thema, die zügig auf fast alle DSA-affinen Foren und Blogs übergriffen und der meist recht hitzige Ton der Beiträge hat mich dazu verleitet, dieses Ereignis als das Fanrichtlinien-Buschfeuer zu verbuchen.

Wie bereits hier im Blog dargestellt bin ich bei dieser Art schneller und aufgebrachter Äußerungen ja immer etwas zwiegespalten. Ich selbst habe in den vergangenen Tagen wenig bis nichts zu den diskutierten Themen geschrieben und angesichts mancher Posts wäre etwas mehr Zurückhaltung für einige User im Sinne der medialen Selbstdarstellung vielleicht auch ratsam gewesen. So frei nach dem Motto „Si tacuisses philosophos mansisses“ …

Andererseits haben ja auch einige durchaus kritische Beiträge konstuktiv auf die Klarstellungen in der am Montag erschienen FAQ hingewirkt.

Insofern muss man eben  – und das ist gewissermaßen bereits ein vorweggenommenes Fazit – festhalten, dass wie so oft der Ton eben die Musik macht. Offenbar von allen Seiten aus.

Einen sehr interessanten Blog-Post, der eine Art Resumé der Diskussion darstellt vor allem jedoch einige bedenkenswerte Aspekte zum Thema Kritik ansich anspricht, hat der Eismann dazu geschrieben. Mittlerweile gibts sogar einen Nachschlag, wie ich gerade entdeckt habe. Eine bemerkenswerte Analyse, die nach der Veröffentlichung der FAQ (mit der das Fanrichtlinien-Buschfeuers meiner Meinung nach erstmal ausgetreten wurde) User Heldi im dsa4-Forum gepostet hat, setzt sich dagegen mit mutmaßlichen Gründen für die Eskalation des Fanrichtlinien-Buschfeuers auseinander.

Aus meiner Sicht waren es vor allem die fünf Tage der Missverständnisse, die nicht zuletzt aus gegenseitigem Misstrauen erwachsen sind. Nicht zufällig beginnen beide Worte mit dem Präfix „Miss-„, das laut Duden ausdrückt, „dass etwas falsch, nicht richtig oder nicht gut ist bzw. getan wird.“ (Man verzeihe mir den kleinen Exkurs – er geschah zu Ehren von Konrad Duden, der gestern seinen 100. Todestag hatte.)

Vielfach wurden (vermutlich unzulässig) verschiedensten Personen schlechte Absichten unterstellt. Aus meiner Sicht ist es jedoch der gegenseitigen Kommunikation zuträglich, wenn man seinem Gegenüber zunächst mal positive, konstruktive Grundabsichten zuerkennt und mit einer solchen positiven Grundhaltung versucht, die Gründe für zuerst unverständlich oder gar böswillig erscheinende Äußerungen nachzuvollziehen.

Unzweifelhaft wird einem eine solche Herangehensweise durch eine freundliche Formulierung vereinfacht wohingegen ein forscher, anmaßender, polemischer oder beleidigender Tonfall die positive Grundhaltung im Keim zu ersticken droht. Allerdings sollte man in diesem Zusammenhang bedenken, dass die Stilfrage natürlich höchst subjektiv ist und zwei Internetuser denselben Habitus grundlegend anders empfinden können. Zudem ist es nicht jedem gegeben bzw. erscheint es nicht jedem angemessen, sich im Netz in einem jovialen, „wir-sind-doch-alle-eine-große-Nerd-Familie“-Tonfall zu äußern. Sei es weil man deutlich zwischen Internet-Bekannten und Reallife-Freunden differenzieren möchte, weil man das Netz als Medium sachlich, informativer Kommunikation nutzt und versteht oder weil man diesen Umgangston seiner Position nicht angemessen empfindet (etwa aufgrund eines Geschäftsverhältnisses Anbieter-Kunde).

Soweit erstmal meine bescheidenen Gedanken, während ich den letzten aufsteigenden Rauchwölkchen des Fanrichtlinien-Buschfeuers nachschaue. Die neu(st)en Fan-Richtlinien und die FAQ werde ich nochmal gesondert kommentieren, da ich Form und Inhalt bei meinen hier angestellten Betrachtungen einmal zu trennen versuche.

Bis dahin verbleibe ich mit rollenspielerischen Grüßen

Euer Zeilenschmied

P.S. Der Titel dieses Beitrags ist eine Hommage an „The Last 5 Years“ von Jason Robert Brown, das meiner Meinung nach großartigste Musical unserer Zeit. Daher möge man mir den Anglizismus verzeihen.

[Edit: Paar kleine typos korrigiert. Danke an Miro]