Die Fanrichtlinien-FAQ – Eine Rezension (?)

Ich hatte es ja schon angekündigt, dass ich noch einmal auf die Fanrichtlinien-FAQ von Ulisses eingehen wollte und jetzt muss ich das endlich auch mal machen, denn 1.) geht morgen die Schule wieder los und ich weiß nicht, wie es dann um meine Zeit zum Bloggen bestellt ist und 2.) ist die Veröffentlichung der FAQ ja schon länger nicht mehr Thema des Tages in der DSA-Szene und ich habe Angst, dass ich sonst das Zeitfenster bis zum nächsten hohe Wellen schlagenden DSA-GAU verpasse.

Ich möchte das FAQ auch gar nicht detailliert besprechen, das ist an anderen Stellen schon getan worden und außerdem besteht zu den meisten Punkten wenig Redebedarf. Allerdings gibt es ein paar Aspekte, die ich ganz spannend finde und die soweit ich es bislang gesehen habe, nicht bis wenig thematisiert wurden.

 

Trennung von Produkt und Verlag:

Im zweiten Absatz des Textes erklärt Markus Plötz, warum Ulisses zwischen dem ersten langen Blog-Beitrag über den Verlag und der Veröffentlichung der ersten Fanrichtlinien-Version 24h hat verstreichen lassen: die Vermischung bzw. Gleichsetzung von Ulisses als der gesamte Verlag und DSA als Produkt (wenn auch sicherlich das Flaggschiff) sollte vermieden werden. Egal ob man diese Begründung glaubt oder eher zu den vielfach zu hörenden Hypothesen neigt, die vermuten, dass die Fanrichtlinien einfach noch nicht rechtzeitig fertig waren, ist dies ein aus meiner Sicht sehr interessanter Punkt.

Bevor ich diese Erklärung im FAQ gelesen habe war mir z.B. überhaupt nicht bewusst gewesen, dass die beiden Ulisses-Blog-Beiträge unterschiedliche Logos getragen haben und in den Formulierungen recht deutlich differenziert wird zwischen Gesamt-Ulisses und der DSA-Sparte. Ich denke, dass diese Unterscheidung vielen DSA-Fans zwar rational klar ist, aber aus dem Bauchgefühl Ulisses eben „der DSA-Verlag“ ist und alle anderen Produktserien mehr oder weniger ausgeklammert werden. Insofern ist es vielleicht tatsächlich gut, wenn man sich mal wieder klar macht, dass Ulisses nicht einfach mit DSA gleichzusetzen ist.

Von Verlagsseite aus kann ich allerdings noch nicht die klare Linie erkennen, da man sich auf der einen Seite ja beim Erwerb der kompletten DSA-Rechte schon ein wenig mit dem „Wir sind DSA“-Nimbus umgeben hat, sich jetzt allerdings wieder bewusst gegen eine Gleichsetzung stellt. Die Stoßrichtung hier ist mir noch nicht ganz klar.

 

Dreierlei Fankram

Sinnvoll und für das Verständnis der Richtlinien wichtig war die Differenzierung in die drei Kategorien Fanware (pdfs, Dokumente, etc.), Fanseiten (Vinsalt, Dsa4, diverse Blogs, etc.) und Rezensionen. Man bemerke an dieser Stelle auch die Quellenangabe, die darauf hinweist, dass diese Unterscheidung auf dem Vorschlag von User Kreggen beruht.

Allerdings finde ich die Differenzierung noch nicht wirklich trennscharf, da ich die Grenze zwischen Fanseite und Rezension z.B. schwierig finde, da ja Rezensionen in DSA-Kreisen häufig eben auf Fanseiten zu finden sind. Erschwerend hinzu kommt die seeeehr weite Fassung des Begriffs Rezension. Die Ulisses-FAQ schreibt hier:

Dies sind öffentliche Meinungsäußerungen zu Das Schwarze Auge-Produkten.

Und später unter Punkt 7 steht dann auch noch zu Rezensionen „oder auf eine Neuerscheinung hinweisen“. Dies impliziert also das jede Ankündigung und generell jede Meinungsäußerung zu einem Produkt eine Rezension im Sinne der Fanrichtlinien ist, was aus meiner Sicht den Begriff Rezension zumindest….anderes verwendet als der landläufige Sprachgebrauch und die meisten Wörterbuch-Definitionen.

Was mir auf jeden Fall fehlt, sind Aussagen zur Forenlandschaft. In welche Kategorie fallen den User-Posts in einem Forum und wer wird im schlimmsten Fall dafür belangt? Auch wenn sich das vermutlich aus der üblichen Rechtslage ableiten lässt, ist es eine Frage, die sicher vielen Fans und vor allem Foren-Betreibern unter den Nägeln brennt. Daher wäre es wohl nicht der falsche Platz gewesen, das hier nochmal kurz zu erkären.

 

Angebote an die Fan-Szene

Einige Stellen der FAQ zeigen recht deutlich, dass diese Erklärung ein Teil der neuen „Charme-Offensive“ von Ulisses ist, indem man versucht positiv auf die Fans zuzugehen und ihnen Angebote macht, durch die der offene Dialog mit dem Verlag attraktiver werden soll. In diesem Kontext finde ich vor allem die häufig genannte Offerte auffällig, gerne überprüfte und als geeignet empfundene Seiten auf der Ulisses-Homepage zu verlinken.

Genau wie bei dem Angebot das Das Schwarze Auge-Logo auf Anfrage zu erlauben und somit quasi als Gütesiegel für ausgesuchte Fanware zu verteilen, habe ich an folgendes Zitat von Mario Truant gedacht (stammt aus dem Blog-Beitrag, in dem der Erwerb der Markenrechte öffentlich gemacht wurde):

„Ich freue mich schon darauf, medienübergreifende Konzepte zu erproben und meinen Teil dazu beizutragen, dass überall, wo Das Schwarze Auge drauf steht, auch das echte, unverfälschte Das Schwarze Auge drin ist.“

Offenbar zielt dieser Anspruch nicht nur auf Computerspiele, Filme, etc., was wohl viele ursprünglich dachten, sondern hat auch seine Auswirkungen auf die Fanware-Szene.

 

Semiprofessionell = Semioffiziell?

Sehr spannend finde ich jedoch die fast beiläufige Erwähnung von semiprofessionellen Publikationen. Diesen Status können offenbar in Zukunft manche Projekte erwerben, es ist mir jedoch noch gar nicht klar, was man genau darunter versteht. Meine erste Idee waren kostenlose digitale Publikationen, die von Fans erstellt worden sind, aber von Ulisses legitimiert und somit kanonisch sind. Dies wäre dann sozusagen eine weitere Stufe in der möglichen Anerkennung durch den Verlag: nach dem Logo-Gütesiegel der Kanon-Ritterschlag.

Tatsächlich fände ich so etwas gar nicht schlecht und sehe hier den Platz für solch großartige Projekte wie „Der Allaventurische Konvent“ in Simias Werkbank oder „Die Vinsalter Bibliothek“ bei den Selemer Tagbüchern. Die Frage ist natürlich, ob die dafür notwendige radaktionelle Überprüfung mit dem momentanen Personal zeitlich leistbar ist. Und eine Überprüfung wäre natürlich notwendig, um im ohnehin schon nicht ganz unverzwickten DSA-Kanon nicht noch zusätzliche Widersprüchte zu erzeugen.

 

Fazit

Nach dieser oberflächlichen Betrachtung (die jedoch ganz offensichtlich eine Rezension ist ;) ), ziehe ich mal ein kurzes Fazit. Die FAQ haben viele Fragen geklärt, andere noch offen gelassen und sogar einige ganz neue aufgeworfen. Sollte die Ulisses-Feedback-Abteilung am Ball bleiben und auch die offenen Fragen zeitnah beantworten, ist das tatsächlich ein positives Ergebnis, da es endlich einmal für Klarheit in bisherigen Grauzonen sorgt.

Das von mir so genannte „Fanrichtlinien-Buschfeuer“ (was die ehrliche Empörung der Fans übrigens in keiner Weise abwerten soll) hat aber vor allem einen deutlichen Effekt gebracht: der Tonfall dieses Blog-Beitrags war doch deutlich anders als der bei den ersten Fanrichtlinien – und zwar deutlich freundlicher und offener. Schade, dass es dafür erst so einen empörten (und manchmal unverhältnismäßigen) Aufschrei braucht, gut dass sich dann aber dennoch etwas tut.

 

So verbleibe ich mal mit den üblichen nächtlichen Grüßen

Euer Zeilenschmied

 

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Über zeilenschmied

Lehrer, Musikwissenschaftler und Rollenspiel-Autor

Veröffentlicht am August 8, 2011 in DSA und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Ich denke einfach, dass das „oder auf eine Neuerscheinung hinweisen“ nicht als Umschreibung für Rezension gemeint ist, sondern als eine zusätzliche Kategorie. Dass dies unter dem Punkt „Was gilt für Rezensionen?“ steht, ist aber wirklich nicht ganz glücklich, es müsste eigentlich „Was gilt für Rezensionen und Artikel?“ oder ähnliches heißen.
    Forenpostings sind übrigens nach meiner Lesart je nach Inhalt schon mit einbegriffen: Wenn sich ein Forenposting mit einem DSA-Produkt als eine freie Meinungsäußerung beschäftigt, darf auch das Cover des Produkts benutzt werden. Damit sind z.B. auch die Bewertungsbereiche im DSA4-Forum abgesichert, aber wohl auch die von Hans gegrabbten Blogwatch-Threads im gleichen Forum oder die Threads gleichen Zwecks im Vinsalt-Forum … sprich: Wenn man sich mit dem Produkt beschäftigt, darf man auch das Cover zeigen. Find‘ ich gut.

    Was „semioffizielle“ Produkte sind und wie das eigene Fanwerk sowas werden kann, habe ich bereits an die Feedbackadresse angefragt. Natürlich fällt so ein Ausdruck auf. ;)

    Schönes Fazit. Guter Blogeintrag. Und scheißegal, ob es wirklich ’ne Rezension ist, denn du nutzt ja kein Produktcover. ;)

    Bye, Feyamius.