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Was tun mit DSA-Büchern? – Oder: Herangehensweisen ans „Gesamterlebnis DSA“

Lange ist es her seit meinem letzten Blog-Beitrag und es waren (und sind) viele mehr oder weniger unangenehme Pflichten und Aufgaben, die mich davon abhalten regelmäßiger zu schreiben.

Dennoch habe ich mich entschieden, endlich mal ein paar Gedanken ins Reine zu schreiben und zu veröffentlichen, die bereits seit geraumer Zeit in groben Notizen auf meiner Festplatte herumlungern.

Aufhänger dazu war die Podiumsdiskussion auf der diesjährigen Ratcon mit dem Titel „Abenteuer oder Alltagsleben? Was ist wichtig bei Das Schwarze Auge?“, die sich unter anderem mit dem Detailgrad des aventurischen Hintergrunds beschäftigte. Ich habe mich in der Diskussion an einigen Stellen beteiligt, hatte mir aber vorgenommen, dies noch einmal detaillierter niederzuschreiben.

Die steile These

Wie gesagt, ging es in der Diskussion um den Detailgrad des Hintergrunds: Müssen die Farben von Magierroben im Detail beschrieben sein? Muss der Name eines Dorfes zwischen Gareth und Wehrheim offiziell festgelegt sein? Wie exakt muss aventurische Alchimie festgelegt sein, wenn ich mit (irdischen) Chemikern spiele?

Neben den durchaus richtigen Bemerkungen darüber, dass solche Details bei den richtigen Spielern und in manchen Situationen tatsächlich das Spiel bereichern können, kam vor allem die Frage auf, wie sich dieser Detailreichtum des Settings auf die Einsteigerfreundlichkeit von DSA auswirkt. Muss man das alles lesen und wissen, um DSA zu spielen?

Recht schnell bestand ein weitgehender Konsens darüber, dass dies natürlich nicht notwendig ist, dass man sich den Hintergrund nach und nach erarbeitet und stets entscheiden kann, wie tief man darin einsteigt.

Das Lesen von mehreren hunderttausend Seiten DSA ist also nicht notwendig, um DSA zu spielen.

Dies bewog mich dazu eine weitergehende These in den Raum zu stellen:

Wer den Detailreichtum von DSA und die dichte Beschreibung Aventuriens schätzt, tut dies nicht aufgrund der Relevanz am Spieltisch; die Beschreibungsdichte ist dort meist nicht mal nützlich, nein manchmal sogar hinderlich.

Warum also wird diese dicht beschriebene Hintergrundwelt von vielen so geschätzt?

Ich gehe davon aus, dass viele einfach gerne lesend Aventurien besuchen.

Der DSAler – Mehr Leser als Spieler!?

Gehen wir also davon aus, dass viele DSAler den Detailgrad ihrer Spielwelt durch den Kauf immer neuer Spielhilfen – der Begriff muss daher vielleicht auf den Prüfstand, was später im Text geschieht – vor allem daher stetig weiter steigern, um sich beim Lesen dieser Bücher zu amüsieren und nicht, um das Rollenspiel ihrer Spielrunde zu bereichern. Dann muss man sich fragen: Warum tut man das? Zweckentfremdet man die DSA-Publikationen damit?

Meiner Ansicht nach ist dieser Umgang mit den Quellen- und Abenteuerbänden nicht verwerflich, sondern Teil des Gesamterlebnisses DSA: Viele DSAler haben Spaß daran, die Spielwelt und ihre Entwicklung in allen Publikationen, ja in Zeiten von Hörbüchern, PC-Spielen und Browsergames: in allen Medien zu folgen.

Das Eintauchen in die Welt Aventurien – oder Dere für diejenigen, die ihren Blick auch nach Myranor, Tharun, Uthuria oder das Riesland lenken – ist eben nicht nur auf das Erleben am Spieltisch beschränkt, man kann diese Welt auch lesend erfahren; und ist nicht das Eintauchen in fremde Welten eben auch das, was viele an Fantasy-Romanen reizt? Der oft recht stereotype Plot ja wohl eher nicht?

Das Lesen von DSA-Publikationen ist also eine Beschäftigung mit dem Hobby, das man auch außerhalb der Spielerunden ausüben kann. Eine Möglichkeit also, um sich etwa auch zwischen den Spielsitzungen weiter mit DSA zu beschäftigen. Angesichts der veränderten Struktur der DSA-Szene, die ich mal kurz und vereinfachend auf die Formel „Weniger Zeit – mehr Geld“ bringen will, wird diese Möglichkeit immer wichtiger, da sie auch Fans, die nur noch äußerst selten Zeit fürs Rollenspiel haben, die weitere Teilhabe am „Gesamterlebnis DSA“ ermöglichen.

Das Lesen von Hintergrundbänden, Abenteuern, dem Aventurischen Boten und anderen Publikationen wird somit zu einer Art „Ersatzhandlung“ für das tatsächliche Spielen mit der Gruppe, das nur noch selten stattfindet – eine andere Art von Ersatz ist beispielsweise das Briefspiel, dessen Konzept manchen evtl. durch den neuesten Sphärengeflüster-Podcast nähergebracht wurde, zu dem aber auch von mir in einem eigenen Blog-Beitrag vielleicht noch einmal ein paar Worte verloren werden.

Sicherlich steht beim Lesen dann häufig die Vorstellung von Spielszenen im Vordergrund, in der Hoffnung, irgendwann doch einmal dazu zu kommen, die gelesenen Anregungen ins Spiel einzubringen. Im Kopfkino läuft dann eine imaginäre Rollenspiel-Session und man denkt: „Oh ja, da wäre diese Szene für meinen Helden total cool!“ oder „Ja, in diesem Setting würde ich gerne mal einen solchen Helden spielen.“

Teilweise wird das Verfolgen der innerweltlichen Umwälzungen, die immer genauere Beschäftigung mit der Welt und ihren Eigenheiten, ja der Anspruch sich ein mehr oder weniger enzyklopädisches Wissen über Aventurien anzueignen und sich mit Gleichgesinnten über Foren oder andere – meist virtuelle – Szene-Treffs darüber auszutauschen, beinahe genauso wichtig wie das Rollenspiel selbst. Denn so lebt DSA bzw. Aventurien (oder eben Dere – wobei meiner Ansicht nach dieser Typus bei den Myranor-Spielern weniger verbreitet ist, zu Tharun und Uthuria kann man da noch nichts sagen) auch zwischen den Spieleabenden weiter. Und für viele von uns, die aus den unterschiedlichsten Gründen gar keine Spielrunde mehr haben, ist das eben die einzige verbliebene Möglichkeit, um in die liebgewonnene Spielwelt einzutauchen.

In dieser Hinsicht ist das Lesen eben eine alternative und – das sei an dieser Stelle deutlich herausgestellt – auch durchaus legitime Partizipationsform am Gesamterlebnis DSA!

Hier drängt sich ein Vergleich mit anderen „Nerd-Subkulturen“, z.B. mit der Comic-Szene geradezu auf: Die intensive Auseinandersetzung mit den Marvel- oder DC-Universen…Verzeihung: -Multiversen…, die von den begeisterten Fans über Foren, Mailinglisten, Kompendien und Wikis betrieben wird und nicht selten in hitzige Diskussionen über die Deutungshoheit des kanonischen Materials ausartet – und somit der DSA-Szene offensichtlich eng verwandt ist – dient sicher nicht als Hilfe für die ungestörte und genussvolle Lektüre der Comics selbst. Diese intensive Beschäftigung trägt das Hobby weit über das ursprüngliche Medium hinaus – und an dieser Stelle sei festgehalten, dass das Primär-Medium des Rollenspiels eben der Spieltisch und nicht das Quellenbuch ist!

Das diese Art der Beschäftigung mit einem Hobby sich besonders häufig bei sorgfältig ausgestalteten fiktiven Welten manifestiert und somit unmittelbar mit dem erwähnten Detailgrad, der einmal der Ausgangspunkt meines Gedankengangs war, zusammenhängt, könnte Gegenstand für einen eigenen Artikel sein.

Ich möchte jedoch an einer Stelle wieder einhaken.

Das Tabu

Die These, dass so mancher DSA-Spieler eher detailversessener Leser und Quellenbuch-Exeget als tatsächlicher Rollenspieler sei, ist ja nun nicht neu. Eben dies wird DSA gerade aus der Ecke alternativer Rollenspielsysteme und von Seiten mancher Rollenspieltheoretiker häufig zum Vorwurf gemacht: Die reinen DSA-Leser seien das große Problem des Systems und der Grund dafür, dass viele Publikationen im Spiel nicht verwendbar seien.

Infolgedessen neigt der DSAler an sich gern dazu, dieses – mal so von mir angenommene – Faktum kleinzureden, zu relativieren oder beiseite zu wischen.

Meiner Meinung nach ist dieser Umgang mit der Thematik falsch: Es sollte kein Tabu sein festzustellen, dass viele altgediente DSA-Spieler nun keine Zeit mehr für Rollenspiel haben, sich ihrem liebgewonnenen Hobby aber so verbunden fühlen, dass sie es auf andere Weise weiter verfolgen wollen. Es spricht doch eigentlich gerade für Aventurien und DSA, das es gelungen ist, viele Menschen auch über den ursprünglichen Grund hinaus an diese Welt zu binden.

Dass diese Gruppe mittlerweile einen stabilen Block der Stamm-Käuferschaft von DSA-Produkten bildet, ist ebenso ein Teil der Realität und es bringt niemandem etwas, dies zu verleugnen. Dass dieser Faktor bei der Produktgestaltung eine Rolle spielen kann und – meiner Meinung nach – auch sollte, ergibt sich daraus unmittelbar.

Dies ist legitim und schadet dem Produkt DSA, wenn er in geeigneter Weise berücksichtigt wird, in keinster Weise!

Ein paar Konsequenzen werde ich weiter unten ansprechen, an dieser Stelle möchte ich nur den Blick dahingehend schärfen, dass man aus den genannten Gründen, nicht jede Seite jeder

Publikation auf die Spielrelevanz hin untersuchen muss. Wenn tatsächlich nur noch SPIEL-Hilfen geschrieben würden, würde nicht nur viel weniger DSA produziert und verkauft, uns würden meiner Meinung nach auch viele spannende, kreative und interessante Beschreibungstexte entgehen, die für mich eklatant zu meiner Faszination für DSA beitragen und auf die ich nicht verzichten wollen würde.

Kurz: Nicht jeder Text muss sich das Feigenblatt der Spielrelevanz vorhalten! Mut zu schönen Beschreibungen, die mir die Welt Aventurien noch näher bringen und vertrauter machen.

 

Keine klare Trennung!

Wenn nun an dieser Stelle der Eindruck erstanden sein sollte, dass der überwiegende Teil der DSAler nur noch reiner DSA-Leser ist, so will ich das hier geraderücken: Es mag zwar sein, dass es den Nur-Leser – und genauso vielleicht auch den Nur-Spieler, der keine einzige Publikation selbst besitzt – gibt, in den meisten Fällen aber wird es eher eine Gemengelage sein: Die meisten von uns werden in einer gewissen Regelmäßigkeit – auch wenn es nur 1-2 mal pro Jahr ist – DSA spielen und in der Zwischenzeit mehr oder weniger häufig auch in den Publikationen schmökern, sei es um seinen Helden weiter auszugestalten, Abenteuer vorzubereiten, oder eben ‚nur‘ der Entwicklung Aventuriens zu folgen.

Ich selbst bin ab und zu – leider viel zu selten – DSA-Spieler, manchmal DSA-Meister, sehr häufig DSA-Leser und mittlerweile beinahe ebenso intensiv DSA-Schreiber. All dies zusammen macht für mich die Identität als DSAler aus und in jedem dieser Teilaspekte habe ich z.B. auch andere Ansprüche an Detailreichtum, Stimmigkeit und Hintergrundkenntnis.

Als Spieler ist mir die Detailkenntnis beispielsweise nicht so wichtig. Ich hatte schon großartige Spielrunden bei Meistern, die wenig mehr als die Basis-Werke gelesen hatten und Aventurien als eher generisches Fantasy-Setting dargestellt haben. Genausoviel Spaß kann eine Runde mit DSA-Experten machen, bei der man sich die Namen der lokalen NSCs munter an den Kopf pfeffern kann und ein ortskundiger Charakter tatsächlich weiß, wo in Kuslik der geheime Phex-Tempel ist. Ebenso gut aber ist es möglich, dass solch eine Runde absolut ätzend ist, wenn sie mehr in Diskussionen über die offiziellen Preise von Wirselkraut auf dem Basar von Rashdul oder die Auslegung des Codex Albyricus nördlich von Tiefhusen ausartet und man darob kaum mehr zum Spielen kommt.

Als DSA-Leser und Hintergrund-Exeget aber schätze ich natürlich eine genaue Hintergrundkenntnis aller einschlägiger Texte und verlasse eine Diskussion auch mal, wenn offensichtlich ist, dass man eben nicht auf dem selben Kenntnisstand der kanonischen Quellen ist.

Was ich damit sagen will: Der DSA-Leser und der der DSA-Spieler sind keine dezidiert voneinander geschiedenen Zielgruppen, sondern eher unterschiedliche Rollen jedes DSAlers und jeder DSAlerin, die natürlich jeweils in einem anderen prozentualen „Mischungsvehältnis“ vorhanden sind.

Und obwohl beide Rollen in den meisten von uns zusammenfallen, haben sie unterschiedliche Erwartungshaltungen und stellen somit andere Anforderungen beim Schreiben und Konzipieren von Publikationen.

Konsequenzen

Es wäre nun eine naheliegende Lösung zu sagen: Nun gut, dann bringen wir eben Bücher für den reinen DSA-Spieler und Bücher für den reinen DSA-Leser heraus. Dies würde aber aus meiner Sicht keinen wirklich zufriedenstellen; Gründe dafür liegen unter anderem in der Doppelrolle der meisten DSAler, aber eben auch im obengenannten Kopfkino-Aspekt: Selbst der Nur-Leser möchte sich ja vorstellen, dass er diese Setting oder jenes Abenteuer spielt.

Daher sollten die Publikationen beide Herangehensweisen unterstützen, aber je nach Publikation vielleicht in unterschiedlicher Gewichtung:

Dass ein Abenteuer eher die aktive Spieler-Fraktion anspricht, ist evident, daher sollte hier die Spielverwendbarkeit natürlich absolut im Vordergrund stehen. Da viele Abenteuer jedoch auch Pflichtlektüre für den Aventurologen sind, der die gesamte aventrische Weltgeschichte lückenlos verfolgen will, halte ich auch Stimmungstexte, wie Ingame-Zitate oder Intro-Fictions – um mal einen Ausflug in den Shadowrun-Sprachgebrauch zu unternehmen – für keine No-Gos in Abenteuern.

Spielhilfen hingegen sind trotz ihres Namens, der daher vielleicht auf seine Validität abgeklopft werden müsste, besonders dann, wenn sie eher spezielle Themen behandeln, für viele schwerpunktmäßige Spieler von geringerer Relevanz. Sie können aber dem DSA-Leser eine sehr tiefgehende Auseinandersetzung mit seiner Hintergrundwelt ermöglichen.

Hierzu jedoch ist es wichtig, dass der Hintergrund dynamisch bleibt, damit Neuerscheinungen für die Nur-Leser oder Eher-Leser attraktiv sind. Reine Zusammenfassungen von Bekanntem oder stark regellastige Spielhilfen sind hier weniger interessant, da gerade der archetypische DSA-Leser auf der einen Seite die meisten älteren Beschreibungstexte bereits besitzt und sich auf der anderen Seite häufig mit den Regeln eher schwertut und nicht selten bei DSA 3 stehengeblieben ist.

Dies heißt nun nicht, dass ständig ganz Aventurien umgestaltet werden muss, um interessant zu bleiben. Auch die reine Beschreibung der Welt kann Neues beleuchten, wenn wenig beachtete Hintergrundelemente auf einmal Details bekommen oder aber bestehende Personen, Orte oder Mächtegruppen aufgrund einer inneraventurisch stimmigen Entwicklung einen neuen Charakter oder eine neue Agenda bekommen.

Wie man sicher merkt, sind wir hier unzweifelhaft beim Thema Metaplot und dem Umgang damit angekommen. Allerdings möchte ich dies an dieser Stelle nicht weiter vertiefen. Es wäre – ihr kennt den Satz – wohl Stoff für einen eigenen Blog-Beitrag.

Was bleibt zu sagen?

Natürlich habe ich in diesem Beitrag mit der ganz groben Kelle der Vereinfachung und Verallgemeinerung gearbeitet. Sicher gibt es auch ganz andere Typen von DSA-affinen Menschen, die hier keine Berücksichtigung fanden, sicher kann man aus meinen Beobachtungen ganz andere Schlüsse ziehen. Vielleicht möchte mir ja auch jemand bei meinen Beobachtungen eklatant widersprechen und teilt sie ganz und gar nicht.

Ich denke aber, dass mein Eindruck vom DSA-Leser nicht ganz unrepräsentativ für die DSA-Szene ist. Und gerade in der Online-Community gibt es sicherlich keine ganz unbedeutende Anzahl von Hintergrund-Fetischisten, für die die Auseinandersetzung mit DSA nur zu einem kleineren Teil tatsächlich am Spieltisch stattfindet.

Zudem ist diese Art der Beschäftigung mit dem DSA-Setting eine Besonderheit, die es aus meiner Sicht von einem Großteil anderer Rollenspielsysteme unterscheidet und es Außenstehenden, selbst wenn sie Rollenspieler sind, schwer macht, den DSAler zu verstehen.

Ich möchte mich bei denen bedanken, die bis hier durchgehalten und diese einschüchternde Wall-Of-Text bewältigt haben. Ich werde mich bemühen demnächst kürzer, aber vielleicht etwas häufiger zu schreiben. Einige mögliche Themen habe ich ja in diesem Beitrag bereits angesprochen.

Ansonsten verbleibe ich mit den besten Grüßen

Euer

Zeilenschmied

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Die Fanrichtlinien-FAQ – Eine Rezension (?)

Ich hatte es ja schon angekündigt, dass ich noch einmal auf die Fanrichtlinien-FAQ von Ulisses eingehen wollte und jetzt muss ich das endlich auch mal machen, denn 1.) geht morgen die Schule wieder los und ich weiß nicht, wie es dann um meine Zeit zum Bloggen bestellt ist und 2.) ist die Veröffentlichung der FAQ ja schon länger nicht mehr Thema des Tages in der DSA-Szene und ich habe Angst, dass ich sonst das Zeitfenster bis zum nächsten hohe Wellen schlagenden DSA-GAU verpasse.

Ich möchte das FAQ auch gar nicht detailliert besprechen, das ist an anderen Stellen schon getan worden und außerdem besteht zu den meisten Punkten wenig Redebedarf. Allerdings gibt es ein paar Aspekte, die ich ganz spannend finde und die soweit ich es bislang gesehen habe, nicht bis wenig thematisiert wurden.

 

Trennung von Produkt und Verlag:

Im zweiten Absatz des Textes erklärt Markus Plötz, warum Ulisses zwischen dem ersten langen Blog-Beitrag über den Verlag und der Veröffentlichung der ersten Fanrichtlinien-Version 24h hat verstreichen lassen: die Vermischung bzw. Gleichsetzung von Ulisses als der gesamte Verlag und DSA als Produkt (wenn auch sicherlich das Flaggschiff) sollte vermieden werden. Egal ob man diese Begründung glaubt oder eher zu den vielfach zu hörenden Hypothesen neigt, die vermuten, dass die Fanrichtlinien einfach noch nicht rechtzeitig fertig waren, ist dies ein aus meiner Sicht sehr interessanter Punkt.

Bevor ich diese Erklärung im FAQ gelesen habe war mir z.B. überhaupt nicht bewusst gewesen, dass die beiden Ulisses-Blog-Beiträge unterschiedliche Logos getragen haben und in den Formulierungen recht deutlich differenziert wird zwischen Gesamt-Ulisses und der DSA-Sparte. Ich denke, dass diese Unterscheidung vielen DSA-Fans zwar rational klar ist, aber aus dem Bauchgefühl Ulisses eben „der DSA-Verlag“ ist und alle anderen Produktserien mehr oder weniger ausgeklammert werden. Insofern ist es vielleicht tatsächlich gut, wenn man sich mal wieder klar macht, dass Ulisses nicht einfach mit DSA gleichzusetzen ist.

Von Verlagsseite aus kann ich allerdings noch nicht die klare Linie erkennen, da man sich auf der einen Seite ja beim Erwerb der kompletten DSA-Rechte schon ein wenig mit dem „Wir sind DSA“-Nimbus umgeben hat, sich jetzt allerdings wieder bewusst gegen eine Gleichsetzung stellt. Die Stoßrichtung hier ist mir noch nicht ganz klar.

 

Dreierlei Fankram

Sinnvoll und für das Verständnis der Richtlinien wichtig war die Differenzierung in die drei Kategorien Fanware (pdfs, Dokumente, etc.), Fanseiten (Vinsalt, Dsa4, diverse Blogs, etc.) und Rezensionen. Man bemerke an dieser Stelle auch die Quellenangabe, die darauf hinweist, dass diese Unterscheidung auf dem Vorschlag von User Kreggen beruht.

Allerdings finde ich die Differenzierung noch nicht wirklich trennscharf, da ich die Grenze zwischen Fanseite und Rezension z.B. schwierig finde, da ja Rezensionen in DSA-Kreisen häufig eben auf Fanseiten zu finden sind. Erschwerend hinzu kommt die seeeehr weite Fassung des Begriffs Rezension. Die Ulisses-FAQ schreibt hier:

Dies sind öffentliche Meinungsäußerungen zu Das Schwarze Auge-Produkten.

Und später unter Punkt 7 steht dann auch noch zu Rezensionen „oder auf eine Neuerscheinung hinweisen“. Dies impliziert also das jede Ankündigung und generell jede Meinungsäußerung zu einem Produkt eine Rezension im Sinne der Fanrichtlinien ist, was aus meiner Sicht den Begriff Rezension zumindest….anderes verwendet als der landläufige Sprachgebrauch und die meisten Wörterbuch-Definitionen.

Was mir auf jeden Fall fehlt, sind Aussagen zur Forenlandschaft. In welche Kategorie fallen den User-Posts in einem Forum und wer wird im schlimmsten Fall dafür belangt? Auch wenn sich das vermutlich aus der üblichen Rechtslage ableiten lässt, ist es eine Frage, die sicher vielen Fans und vor allem Foren-Betreibern unter den Nägeln brennt. Daher wäre es wohl nicht der falsche Platz gewesen, das hier nochmal kurz zu erkären.

 

Angebote an die Fan-Szene

Einige Stellen der FAQ zeigen recht deutlich, dass diese Erklärung ein Teil der neuen „Charme-Offensive“ von Ulisses ist, indem man versucht positiv auf die Fans zuzugehen und ihnen Angebote macht, durch die der offene Dialog mit dem Verlag attraktiver werden soll. In diesem Kontext finde ich vor allem die häufig genannte Offerte auffällig, gerne überprüfte und als geeignet empfundene Seiten auf der Ulisses-Homepage zu verlinken.

Genau wie bei dem Angebot das Das Schwarze Auge-Logo auf Anfrage zu erlauben und somit quasi als Gütesiegel für ausgesuchte Fanware zu verteilen, habe ich an folgendes Zitat von Mario Truant gedacht (stammt aus dem Blog-Beitrag, in dem der Erwerb der Markenrechte öffentlich gemacht wurde):

„Ich freue mich schon darauf, medienübergreifende Konzepte zu erproben und meinen Teil dazu beizutragen, dass überall, wo Das Schwarze Auge drauf steht, auch das echte, unverfälschte Das Schwarze Auge drin ist.“

Offenbar zielt dieser Anspruch nicht nur auf Computerspiele, Filme, etc., was wohl viele ursprünglich dachten, sondern hat auch seine Auswirkungen auf die Fanware-Szene.

 

Semiprofessionell = Semioffiziell?

Sehr spannend finde ich jedoch die fast beiläufige Erwähnung von semiprofessionellen Publikationen. Diesen Status können offenbar in Zukunft manche Projekte erwerben, es ist mir jedoch noch gar nicht klar, was man genau darunter versteht. Meine erste Idee waren kostenlose digitale Publikationen, die von Fans erstellt worden sind, aber von Ulisses legitimiert und somit kanonisch sind. Dies wäre dann sozusagen eine weitere Stufe in der möglichen Anerkennung durch den Verlag: nach dem Logo-Gütesiegel der Kanon-Ritterschlag.

Tatsächlich fände ich so etwas gar nicht schlecht und sehe hier den Platz für solch großartige Projekte wie „Der Allaventurische Konvent“ in Simias Werkbank oder „Die Vinsalter Bibliothek“ bei den Selemer Tagbüchern. Die Frage ist natürlich, ob die dafür notwendige radaktionelle Überprüfung mit dem momentanen Personal zeitlich leistbar ist. Und eine Überprüfung wäre natürlich notwendig, um im ohnehin schon nicht ganz unverzwickten DSA-Kanon nicht noch zusätzliche Widersprüchte zu erzeugen.

 

Fazit

Nach dieser oberflächlichen Betrachtung (die jedoch ganz offensichtlich eine Rezension ist ;) ), ziehe ich mal ein kurzes Fazit. Die FAQ haben viele Fragen geklärt, andere noch offen gelassen und sogar einige ganz neue aufgeworfen. Sollte die Ulisses-Feedback-Abteilung am Ball bleiben und auch die offenen Fragen zeitnah beantworten, ist das tatsächlich ein positives Ergebnis, da es endlich einmal für Klarheit in bisherigen Grauzonen sorgt.

Das von mir so genannte „Fanrichtlinien-Buschfeuer“ (was die ehrliche Empörung der Fans übrigens in keiner Weise abwerten soll) hat aber vor allem einen deutlichen Effekt gebracht: der Tonfall dieses Blog-Beitrags war doch deutlich anders als der bei den ersten Fanrichtlinien – und zwar deutlich freundlicher und offener. Schade, dass es dafür erst so einen empörten (und manchmal unverhältnismäßigen) Aufschrei braucht, gut dass sich dann aber dennoch etwas tut.

 

So verbleibe ich mal mit den üblichen nächtlichen Grüßen

Euer Zeilenschmied

 

The Last 5 Days oder „Das Fanrichtlinien-Buschfeuer“

Leider habe ich momentan Ferien.

Warum leider? Weil ich in den letzten fünf Tagen viel zu viel Zeit damit verbracht habe, diverse Foren- und Blogbeiträge zu verfolgen, die sich in mehr oder weniger aufgeregter oder turbulenter Weise mit den Äußerungen von Ulisses-Geschäftsführer Markus Plötz im hauseigenen Blog auseinandergesetzt haben. Die ungeheuer schnell gefüllten Threads zu diesem Thema, die zügig auf fast alle DSA-affinen Foren und Blogs übergriffen und der meist recht hitzige Ton der Beiträge hat mich dazu verleitet, dieses Ereignis als das Fanrichtlinien-Buschfeuer zu verbuchen.

Wie bereits hier im Blog dargestellt bin ich bei dieser Art schneller und aufgebrachter Äußerungen ja immer etwas zwiegespalten. Ich selbst habe in den vergangenen Tagen wenig bis nichts zu den diskutierten Themen geschrieben und angesichts mancher Posts wäre etwas mehr Zurückhaltung für einige User im Sinne der medialen Selbstdarstellung vielleicht auch ratsam gewesen. So frei nach dem Motto „Si tacuisses philosophos mansisses“ …

Andererseits haben ja auch einige durchaus kritische Beiträge konstuktiv auf die Klarstellungen in der am Montag erschienen FAQ hingewirkt.

Insofern muss man eben  – und das ist gewissermaßen bereits ein vorweggenommenes Fazit – festhalten, dass wie so oft der Ton eben die Musik macht. Offenbar von allen Seiten aus.

Einen sehr interessanten Blog-Post, der eine Art Resumé der Diskussion darstellt vor allem jedoch einige bedenkenswerte Aspekte zum Thema Kritik ansich anspricht, hat der Eismann dazu geschrieben. Mittlerweile gibts sogar einen Nachschlag, wie ich gerade entdeckt habe. Eine bemerkenswerte Analyse, die nach der Veröffentlichung der FAQ (mit der das Fanrichtlinien-Buschfeuers meiner Meinung nach erstmal ausgetreten wurde) User Heldi im dsa4-Forum gepostet hat, setzt sich dagegen mit mutmaßlichen Gründen für die Eskalation des Fanrichtlinien-Buschfeuers auseinander.

Aus meiner Sicht waren es vor allem die fünf Tage der Missverständnisse, die nicht zuletzt aus gegenseitigem Misstrauen erwachsen sind. Nicht zufällig beginnen beide Worte mit dem Präfix „Miss-„, das laut Duden ausdrückt, „dass etwas falsch, nicht richtig oder nicht gut ist bzw. getan wird.“ (Man verzeihe mir den kleinen Exkurs – er geschah zu Ehren von Konrad Duden, der gestern seinen 100. Todestag hatte.)

Vielfach wurden (vermutlich unzulässig) verschiedensten Personen schlechte Absichten unterstellt. Aus meiner Sicht ist es jedoch der gegenseitigen Kommunikation zuträglich, wenn man seinem Gegenüber zunächst mal positive, konstruktive Grundabsichten zuerkennt und mit einer solchen positiven Grundhaltung versucht, die Gründe für zuerst unverständlich oder gar böswillig erscheinende Äußerungen nachzuvollziehen.

Unzweifelhaft wird einem eine solche Herangehensweise durch eine freundliche Formulierung vereinfacht wohingegen ein forscher, anmaßender, polemischer oder beleidigender Tonfall die positive Grundhaltung im Keim zu ersticken droht. Allerdings sollte man in diesem Zusammenhang bedenken, dass die Stilfrage natürlich höchst subjektiv ist und zwei Internetuser denselben Habitus grundlegend anders empfinden können. Zudem ist es nicht jedem gegeben bzw. erscheint es nicht jedem angemessen, sich im Netz in einem jovialen, „wir-sind-doch-alle-eine-große-Nerd-Familie“-Tonfall zu äußern. Sei es weil man deutlich zwischen Internet-Bekannten und Reallife-Freunden differenzieren möchte, weil man das Netz als Medium sachlich, informativer Kommunikation nutzt und versteht oder weil man diesen Umgangston seiner Position nicht angemessen empfindet (etwa aufgrund eines Geschäftsverhältnisses Anbieter-Kunde).

Soweit erstmal meine bescheidenen Gedanken, während ich den letzten aufsteigenden Rauchwölkchen des Fanrichtlinien-Buschfeuers nachschaue. Die neu(st)en Fan-Richtlinien und die FAQ werde ich nochmal gesondert kommentieren, da ich Form und Inhalt bei meinen hier angestellten Betrachtungen einmal zu trennen versuche.

Bis dahin verbleibe ich mit rollenspielerischen Grüßen

Euer Zeilenschmied

P.S. Der Titel dieses Beitrags ist eine Hommage an „The Last 5 Years“ von Jason Robert Brown, das meiner Meinung nach großartigste Musical unserer Zeit. Daher möge man mir den Anglizismus verzeihen.

[Edit: Paar kleine typos korrigiert. Danke an Miro]